Afghanistan:Mindestens 900 Tote bei Erdbeben

Lesezeit: 2 min

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(Foto: AP/AP)

In einer abgelegenen Bergregion an der afghanisch-pakistanischen Grenze werden heftige Erschütterungen registriert, Behörden beziffern die Stärke auf mindestens 5,9. Die regierenden Taliban bitten um Hilfe.

Bei einem heftigen Erdbeben am späten Dienstagabend (Ortszeit) in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion sind nach offiziellen Angaben mindestens 920 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 600 weitere seien in der Provinz Paktika verletzt worden, sagte der stellvertretende Taliban-Staatsminister für Katastrophenmanagement, Maulawi Scharafuddin Muslim. Ein Sprecher der regierenden Taliban sprach zudem von Dutzenden zerstörten Häusern in vier betroffenen Distrikten der an Pakistan grenzenden Provinz. Örtliche Medien berichteten, ein Dorf sei komplett zerstört worden. Erschwert wurden die Rettungsarbeiten durch den schlechten Zugang zu der abgelegenen Bergregion.

Die militant-islamistischen Taliban, die seit August 2021 wieder in Afghanistan herrschen, beriefen eine Notsitzung des Kabinetts ein. Mehrere Hubschrauber wurden in die Unglücksregion geschickt, um den Menschen zu helfen. Ein Regierungssprecher rief Hilfsorganisationen zur Unterstützung auf. Bereits am Mittwoch trafen Helfer des Roten Halbmonds ein.

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(Foto: dpa)

Die Angaben regionaler Erdbebenwarten zur Stärke schwankten zunächst. Pakistanische Behörden gaben das Beben am Abend mit einer Stärke von 6,1 an. Die US-Erdbebenwarte (USGS) meldete die Stärke 5,9 sowie ein etwas schwächeres Nachbeben. Demnach befand sich das Zentrum des Bebens etwa 50 Kilometer südwestlich der Stadt Chost im Osten Afghanistans nahe der Grenze zu Pakistan in rund zehn Kilometern Tiefe.

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(Foto: Karte: saru; Mapcreator.io)

Ein Augenzeuge berichtete von der Zerstörung in den betroffenen Gebieten. "Überall herrscht ein großes Chaos. Ich habe in einer Stunde hundert Leichen gezählt", sagte der Journalist Rahim Chan Chushal. "Das Grauen ist groß. Die Eltern können ihre Kinder nicht finden und die Kinder ihre Eltern nicht. Jeder fragt sich, wer tot ist und wer lebt." Da die Häuser aus Lehm bestünden, seien sie durch die Erschütterung stark zerstört worden. Die Bauweise in der armen und wirtschaftlich schwachen Region ist aus Kostengründen nicht erdbebensicher, viele Familien leben dicht zusammen. Zudem dürfte das Beben die Bewohner in der Nacht überrascht haben. Auch zahlreiche Tiere kamen ums Leben.

Den pakistanischen Angaben zufolge waren die Erschütterungen in weiten Teilen des Landes, in der Hauptstadt Islamabad und selbst in Lahore im Osten des Landes zu spüren. Mancherorts brach Panik aus, über Schäden oder Verletzte in Pakistan war nach ersten Angaben jedoch nichts bekannt. Der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif drückte im Internet seine Betroffenheit aus und stellte Hilfe für die Menschen im Nachbarland in Aussicht.

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