SZ-Serie "Bester Dinge":Abschied vom Patriarchat

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(Foto: Imago Images/Henry Ausloos)

Erstmals hat ein Weibchen die Führung im Makaken-Reservat auf der japanischen Insel Kyushu übernommen. Der Druck auf die neue Chefin ist groß.

Von Martin Zips

"Für die, deren Zeit gekommen ist, ist es nie zu spät", heißt es bei Brecht, und, ja, für das Makaken-Weibchen Yakei scheint jetzt die Zeit gekommen zu sein. Überraschend hat Yakei das Alpha-Männchen Sanshu im Affen-Gebiet auf der japanischen Insel Kyushu abgelöst. Damit ist sie die erste Chefin in der 70-jährigen Geschichte des Primaten-Reservats.

Es dürfte keine leichte Aufgabe sein, die Führung in einer Gruppe von 677 Affen zu übernehmen. Für Yakei heißt das permanente Konfliktarbeit, ermüdende Sitzungen und immerzu die Frage: "Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?" Aber Yakei hat gute Voraussetzungen! Bereits als junges Weibchen übernahm sie die Leitung ihrer Familie, nachdem sie zuvor ihre Mutter verprügelt und in die Flucht geschlagen hatte. Später setzte sie sich gegen den deutlich älteren Sanshu durch, er war immerhin fünf Jahre lang Chef der Affengruppe. Doch mittlerweile, so berichtet der Guardian, überlasse ihr der Vorgänger alle seine Erdnüsse. Yakei wiederum steige in Baumwipfel, um diese - sehr unüblich für weibliche Makaken - schreiend mit erhobenem Schwanz zu schütteln.

Nach Jahrzehnten männlicher Dominanz auf Kyushu erwarten nun vor allem weibliche Makaken von ihrer Chefin Entscheidendes. Der Druck auf Yakei ist groß. Wenn nicht jetzt die Dinge verändern, wann dann? Daher sollte man Yakei viel Glück und Kraft wünschen für ihre Aufgabe. Allen anderen Primaten sei gesagt: Schaut nicht permanent darauf, wer welche Nüsse kriegt. Hört auf den Tierprediger Franziskus und begreift euch endlich als Teil einer großen sowie - verdammt, das dürfte doch hinzukriegen sein - friedlichen Affenwelt.

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© SZ/feko
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