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Tierisches Selfie:Mit Affenzahn

Affen-Selfie: Primat klaut in Malaysia Smartphone und macht Fotos

Affen gucken offenbar ähnlich wie Menschen bei einem Selfie.

(Foto: dpa)

Ein Affe klaut ein Handy - und fotografiert sich selbst. So wie Millionen von Menschen täglich. Nun sind die Tierrechtler gefordert.

Eine Glosse von Martin Zips

Wirklich dumm, dass Krokodile so fürchterlich ungeschickt sind beim Selfieschießen. Sonst hätte man es bestimmt längst mal gesehen, das von der engagierten deutschsprachigen Boulevardpresse im Fluss Unstrut im Kyffhäuserkreis verortete Spätsommertier. Aber so bleibt es nur Legende und es ist es halt wieder mal ein Affe, der einen aus dem Handy, nun ja, als Laie würde man sagen: anlächelt.

Quotenmäßig ist das aktuelle Affen-Selfie natürlich ein Selbstläufer. Herr Rodzi, ein 20 Jahre junger Student aus dem malaysischen Süden, hatte vor ein paar Tagen beim Aufstehen sein Handy vermisst. Als er sich selber anrief, so erzählte er später der BBC, habe es im Regenwald hinter seinem Haus geläutet. Rodzi fand sein Gerät und darauf eine hübsche Serie mit Filmen und Fotos eines Affen.

Das Tier hatte unter anderem versucht, sich das Handy wie eine Magensonde einzuführen, was aber misslang. Vor allem fotografierte der Affe sich selbst. So, wie sich auch Millionen von Menschen täglich selbst fotografieren, weil sie nicht nur wunderschön, in ihren Genen einzigartig, mit den tollsten Freunden an den großartigsten Orten unterwegs und - in aller Bescheidenheit - durchaus begehrenswert sind. Auch sind ihre Selfies immer besser als die ihrer Mitmenschen. "Das Ich ist hassenswert", heißt es bei Paul Valéry. Aber nur "das Ich der anderen."

Affen-Selfie: Primat klaut in Malaysia Smartphone und macht Fotos

Das von Zackrydz Rodzi zur Verfügung gestellte Foto zeigt einen Affen, der ein Selfie mit Rodzis Smartphone fotografiert hat.

(Foto: dpa)

Jetzt sind die Tierrechtsorganisationen wieder gefordert! So einem Regenwaldkünstler stehen - trotz einer gewissen diebischen Neigung - natürlich Tantiemen zu. "Jedem Primaten das Recht am eigenen Bild", so dürften, da kann man sich ganz sicher sein, die Freunde von Koboldmaki und Sumpfmeerkatze bald wieder rufen. So wie damals schon, als der englische Tierfotograf David J. Slater seine Kamera einem indonesischen Makaken für ein Selbstportrait überließ.

Bis vors Bundesgericht in San Francisco zogen die Aktivisten, um dem Affen sein Urheberrecht zu sichern - und sich ein bisschen Aufmerksamkeit. Die Richter sahen es wesentlich gelassener und sprachen die Rechte dem Fotografen zu. Finanziell half ihm das nicht.

Eines aber ist sicher, das lehrt Erich Kästners "Konferenz der Tiere" ebenso wie George Orwells "Animal Farm": Sollte irgendwann doch einmal ein Krokodil ein Selfie von sich hinbekommen, zum Beispiel das im Kyffhäuserkreis besungene, die internationale Justiz würde schon aus lauter Angst kapitulieren. Und am Ende würden vielleicht gar noch die Tierrechtler gebissen.

© SZ/afis

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