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Italien:Der Ätna ist wieder böse

  • Seit einigen Tagen ist der der Ätna auf Sizilien, Europas größer Vulkan, wieder einmal aktiv.
  • In der Nacht zum Mittwoch bebte die Erde mit Stärke 4,8 und richtete Sachschäden an.
  • Auch der Stromboli, der Vulkan auf der gleichnamigen Äolischen Insel, ist derzeit aktiv und wirft Steinchen aus.

Und wieder reden die Sizilianer von einem Wunder, als liege alle Rettung immer in der göttlichen Vorsehung. Aber wie lange noch? Diesmal ist am gefährlich dicht bebauten Fuß des Ätna, Europas größtem und aktivstem Vulkan, der in diesen Tagen wieder mächtig zittert und grollt und Asche speit, etwas passiert, was vielleicht am Wunderglauben der Menschen zehrt.

In Pennisi, einem Stadtteil von Acireale, ist in der Nacht auf den Stephanstag, um genau 3.19 Uhr, als die Erde mit einer Stärke von 4,8 bebte, die Statue eines ganz besonderen Heiligen zu Boden gefallen. Sant' Emidio, so heißt er, war der Schutzpatron von Pennisi. Sie hatten ihn in der Kirche Santa Maria del Carmelo ausgestellt gehabt, auf dass er die Menschen, die ihn ehrten, vor Erdbeben schütze.

Als es endlich Tag wurde, ein klarer Wintertag, und die Schäden ersichtlich wurden, da war die zerbrochene Statue von Sant' Emidio die größte Nachricht. Ein böses Omen. Aber diesmal ging es gerade noch einmal gut. 28 Bewohner von Acireale und Zafferana Etnea wurden verletzt, alle nur leicht - "Codice verde", nennen die Italiener das, tiefste Alarmstufe. Es fielen zwar viele Häuser in sich zusammen, weil sich das Epizentrum nur 1,2 Kilometer unter der Erdoberfläche befand, aber viele davon waren alt und verlassen. Da und dort löste sich Stuck aus Fassaden. Augenzeugen berichteten von einem großen Knall, den das Beben verursacht habe. Eine Bewohnerin von Zafferana twitterte: "Ragazzi, ich wache sonst nie auf in der Nacht, aber, verdammt noch mal, diesmal schon."

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Der Ätna ist ein mythenhafter Berg im kollektiven Gedächtnis der Sizilianer, der Ostsizilianer vor allem: gefürchtet und geliebt. Sein Innenleben wird beschrieben, als hätte er menschliche Launen: Mal ist er "böse", mal "rabiat", mal gar "brutal".

An der höchsten Stelle ist der Ätna 3326 Meter hoch, man sieht den Vulkan schon von weither, am besten natürlich dann, wenn die Krause oben am Krater mit Schnee bedeckt ist. Oder wenn sich wieder ein Loch in einer seiner Flanken öffnet, bedrohlich donnernd. Es steigt dann jeweils eine Rauchsäule aus ihm auf, und die schwarze Asche legt sich auf alle Städte rundherum. Die Bauern fürchten dann um ihr Gemüse, ihre Reben und Zitrusfrüchte, die vielleicht nirgends so prächtig gedeihen wie auf dem vulkanisch fruchtbaren Boden an den Abhängen des Ätna. Das erklärt auch, warum die Menschen so nahe an ihm dran leben, obschon sie die Risiken kennen.

Seit Heiligabend ist er wieder böse. Der internationale Flughafen von Catania musste bereits mehrmals für einige Stunden geschlossen werden, weil man den Piloten das Landen nicht zumuten mag. Seit Beginn des Ausbruchs bebt auch die Erde in schneller Abfolge: Das "Istituto nazionale di geofisica e vulcanologia" (Nationales Institut für Geophysik und Vulkanologie) nennt es einen Erdbebenschwarm. Die Erschütterung in der Nacht auf Mittwoch war die stärkste einer langen Serie. Die A 14, die Autobahn zwischen Messina und Catania, musste gesperrt werden, weil an manchen Stellen der Asphalt gerissen war.

Auch der Stromboli, der Vulkan auf der gleichnamigen Äolischen Insel, erlebt gerade wieder eine aktive Phase und wirft Steinchen aus, sogenannte Lapilli. Die Zeitung Giornale di Sicilia schreibt: "Der Stromboli antwortet dem Ätna." Die Gleichzeitigkeit überrascht nicht: Die Launen der beiden Vulkane bedingen sich offenbar gegenseitig. Ganz sicher ist man sich aber trotzdem nicht.

Im Netz erscheinen nun wieder Videoaufnahmen von Leuten, die trotz der Gefahren die Hänge des Ätna hochsteigen, für spektakuläre Bilder. Bis 2600 Meter über dem Meeresspiegel gehen manche dafür, es ist ziemlich verrückt. Zumal niemand sagen kann, wie es weitergeht. Die Vulkanologen sagen: "Der Ätna lässt uns keine Ruhe." Es sei gut möglich, dass sich bald weitere "Münder" öffneten, auch in tieferen Lagen. Einer der waghalsigen Filmer kommentierte seine Bilder live, samt Glückwünschen zu Weihnachten.

Da erinnert man sich in Italien wieder an Dante, der in seiner "Divina Commedia" den Mongibello, wie der Ätna auch genannt wird, im Inferno verortete - in der Hölle eben. Er nannte den Vulkan eine "schwarze Schmiede".

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