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Älteste Lokomotive Deutschlands:Der Eisenkörper, der Lebensträume platzen lässt

Lokomotive im Rhein

Museumsleiter Uwe Breitmeier, Geophsyiker Bernhard Forkmann und der ehemalige Lokomotivführer Horst Müller (v.l.) mit einem Modell der "Rhein".

(Foto: Bartenbach Projektbüro Jäger der versunkenen Lok)

Vor 166 Jahren fiel eine Dampflokomotive in den Rhein. Drei Männer wollten sie nun bergen, nach 30-jähriger Suche und Messung waren sie sicher: Die Lok liegt bei Germersheim. Doch gefunden haben sie: nichts.

Für drei Männer ist gerade ein Lebenstraum geplatzt. Geophysiker Bernhard Forkmann, Museumsleiter Uwe Breitmeier und der ehemalige Lokführer Horst Müller haben seit mehr als 30 Jahren gemeinsam nach einer historischen Lokomotive gesucht. Sie waren sich sicher, die älteste noch existierende Dampflok Deutschlands, die im Februar 1852 im Rhein versunken war, gefunden zu haben. Am 21. Oktober wollten sie die Lok bergen lassen - und mussten nun mitteilen, dass daraus nichts wird. "Ich bin bestürzt und ratlos", sagt Forkmann auf der Homepage der "Jäger der verlorenen Lok". "Ich kann mir nicht erklären, welche Anomalie wir bei unseren jahrelangen, wiederholten Messarbeiten ausgemacht haben."

Noch vor zwei Wochen hatten die Männer mitgeteilt, dass sie kurz davor stünden, den "20-Tonnen-Schatz" aus dem Sand des Rhein-Bodens bei Germersheim zu holen. Dort, an der sogennanten "Buhne 527", einem zum Küstenschutz errichteten Damm, hatten sie eine Plattform im Fluss verankert, auf dem der Spezialbagger für die Aushubarbeiten steht, sie hatten 30 Meter lange Wände in den Flussboden geschlagen, um mit 200 Tonnen Stahl den Fundort vor der Strömung des Rheins zu schützen. Sie hatten schließlich eine Fläche von mehr als 450 Quadratmetern bis zu einer Tiefe von neun Metern ausgebaggert. In fünf bis sechs Metern Tiefe war die Lok vermutet worden. Doch dort liegt: leider gar nichts. Kein Eisenkörper, keine Lok. Nichts, was die Mess-Anomalien erklären würde.

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Ein pensionierter Lokführer möchte im Oktober eine vor 166 Jahren im Rhein versunkene Lok bergen. Egal, was es kostet. Nur: Liegt sie auch wirklich dort, wo er sie vermutet?   Von Susanne Höll

Zwei unabhängige Unternehmen hätten den Rhein erneut abgesucht und Messungen vorgenommen, teilen die Lok-Jäger mit. Auch die Spezialunternehmen und zur Unterstützung geholte Kampfmittelräumer blieben aber erfolglos. Bernhard Forkmann, der die Messungen seit Anfang der 90er-Jahre mit den Schatzsuchern durchgeführt hatte, musste deswegen nun feststellen: "An der Buhne 527 liegt keine Lok im Rhein."

Und im Nachhinein liest sich die Bergungs-Ankündigung der Lok-Jäger fast schon tragikomisch. "Wir wissen noch nicht, was wir bei den Baggerarbeiten genau finden", sagte etwa Wolfhard Neu vom Bergungsunternehmen darin. Er warnte vor großen Steinen oder Bäumen, die das Vordringen zur Lok erschweren könnten. Tobias Bartenbach, leitender Lok-Jäger, sagte einen Satz, der sich dann auch bewahrheiten sollte: "Aktuell basiert die Annahme, dass es sich tatsächlich um die Lok handelt, allein auf den Magnetresonanzbildern. Eine Überraschung beim Freilegen ist also noch möglich."

Die Anomalie, die Geophysiker Forkmann über mehrere Jahre hinweg, zu verschiedenen Jahreszeiten, gemessen hatte, passte genau auf die Lok. "Doch es ist etwas, das wir noch nicht kennen", sagte Forkmann dem SWR. "Wir haben uns zu früh auf die Lok festgelegt." Sehr schlecht gehe es ihm nun. "Von Berufs wegen habe ich immer mit dem Risiko leben müssen, dass ein Messergebnis nicht richtig verstanden wird", sagte er. Doch über dieses Risiko spreche man selten. Man feiere seine Erfolge. "Das ist unvorstellbar, dass ich jetzt ein Ergebnis abgeliefert habe, das nicht den Gütekriterien genügt, die an ein geophysikalisches Ergebnis gestellt werden müssen."

Lokomotive im Rhein

Eine Luftaufnahme der Grabungsstelle an der "Buhne 527" bei Germersheim.

(Foto: Bartenbach Projektbüro Jäger der versunkenen Lok)

Die Lok, die ihrerzeit auf den Namen "Der Rhein" getauft wurde, sollte damals über den gleichnamigen Fluss von der Karlsruher Maschinenfabrik, wo sie gebaut worden war, nach Köln verschifft werden. Nach 30 Kilometern Schifffahrt kenterte jedoch der Segelfrachter, die Lok versank. 400 Männer versuchten Tage später vergebens, das Gefährt zu bergen. Seitdem liegt die Lok irgendwo vergraben im Flussboden.

Darüber, dass sie nun, 166 Jahre nach ihrem Kentern, geborgen werden sollte, berichteten weltweit Medien. Die Bergung an sich sollte live vom SWR übertragen werden. Und nun? Wird die Baustelle zurückgebaut. "Dieses Gefühl, dass die Schatzsuche gescheitert ist, lässt sich noch nicht in Worte fassen", teilen die Lok-Sucher mit. "Wir müssen diese Information erst noch verarbeiten." Einig seien sie sich darüber, dass eine weitere Suche, ob an dieser Stelle oder einer anderen, für sie ausgeschlossen ist. Geophysiker Forkmann will "so schnell und gründlich wie möglich die Ursache aufklären und die Schwachstelle finden." Er sagt: "Das wird mich bis an mein Lebensende verfolgen."

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