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Messerangriff in Hughada:Zwei Tote bei Messerangriff in Hurghada - offenbar Deutsche

The entrance of the beach of the Zahabia hotel resort, seen after an Egyptian man stabbed two German tourists to death and wounded four others in Hurghada

Der Eingang zum Strand in Hurghada, an dem der Attentäter die Frauen mit einem Messer attackierte.

(Foto: REUTERS)
  • Bei einem Messerangriff an einem Hotelstrand im ägyptischen Hurghada sind mehrere Ausländerinnen verletzt worden.
  • Zwei Frauen kamen ums Leben. Es soll sich um Deutsche handeln.
  • Sicherheitskreisen zufolge waren sie keine wohl keine Touristinnen, sondern arbeiteten zumindest zeitweise in dem Badeort.
  • Die Hintergründe des Angriffs sind derzeit noch unklar.

Bei einem Messerangriff im ägyptischen Badeort Hurghada sind am Freitag zwei Ausländerinnen getötet und vier weitere verletzt worden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf den Polizeichef des Gouvernements Rotes Meer, Generalmajor Mohamed el-Hamzawi, bei den Getöteten handele es sich um zwei Deutsche. Am Abend bestätigte das auch der ägyptische Staatliche Informationsservice (SIS).

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte: "Wir können nicht ausschließen, dass unter den Opfern auch deutsche Staatsangehörige sind. Gewissheit haben wir darüber noch nicht." Die deutsche Botschaft in Kairo stehe in Kontakt mit den ägyptischen Behörden, um schnellstmöglich Aufklärung zu schaffen.

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Angaben aus ägyptischen Sicherheitskreisen zufolge waren die beiden Todesopfer wohl keine Touristinnen, sondern haben zumindest vorübergehend in Hurghada gearbeitet. Auch einem Bekannten der getöteten Frauen zufolge waren diese dauerhafte Bewohnerinnen Hurghadas. Er habe die beiden persönlich gekannt, sagte der ehemalige deutsche Honorarkonsul Hurghadas, Peter-Jürgen Ely, am Samstagmorgen der Nachrichtenagentur dpa. Eine weitere Bekannte von ihm habe die Frauen nach der Tat identifiziert.

Das Innenministerium in Kairo hatte zunächst nur den Angriff mit sechs Verletzten bestätigt, das Gouvernement Rotes Meer ergänzte später, dass es bei dem Angriff Tote gegeben habe. Die Polizei hat laut Innenministerium den Angreifer festgenommen. Bei den Opfern handele es sich um "Touristinnen unterschiedlicher Nationalitäten", das Motiv für die Tat sei unklar.

Das Ministerium teilte nur mit, der Angreifer sei offenbar von einem öffentlichen Strand zu einer Ferienanlage geschwommen. Laut Zeugen attackierte er seine Opfer in mindestens zwei Hotels. Eines davon wird auch von deutschen Reiseveranstaltern angeboten.

Für die Tourismusindustrie Ägyptens könnte der Angriff ein schwerer Rückschlag werden, sollte sich herausstellen, dass er einen politischen Hintergrund hat. Die Tatumstände lassen eine Terrorattacke möglicherscheinen. Nach Aussagen von Augenzeugen rief der Täter: "Ich will keine Ägypter!" Er attackierte offenbar gezielt Ausländer. Das Auswärtige Amt teilte mit, es habe mit großer Bestürzung von dieser "feigen und niederträchtigen" Tat erfahren, die sich "gezielt gegen Urlauber gerichtet zu haben scheint, die eine unbeschwerte und erholsame Zeit am Meer verbringen wollten". Die Bundesregierung verurteile den Angriff auf das Schärfste.

Die Badeorte gelten als gut gesichert - ein Messerstecher aber ist kaum aufzuhalten

Gerade waren vor allem deutsche Touristen wieder in größeren Zahlen an die Strände des Roten Meeres zurückgekehrt und zur wichtigsten Gästegruppe in Ägypten aufgestiegen. Aber auch Urlauber aus anderen europäischen Ländern trugen dazu bei, dass sich die Gästezahlen in den vergangenen Monaten positiv entwickelten. Die Badeorte am Roten Meer gelten unter westlichen Geheimdiensten als gut gesichert gegen Terroranschläge, ein Messerstecher aber ist durch Kontrollpunkte an den Zufahrtsstraßen kaum aufzuhalten.

Der Tourismus in Ägypten war komplett eingebrochen, nachdem am 31. Oktober 2015 beim Absturz eines russischen Ferienfliegers über der Sinai-Halbinsel alle 224 Menschen an Bord ums Leben kamen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte unter bis heute nicht geklärten Umständen am Flughafen Scharm el-Scheich eine Bombe in die Maschine geschmuggelt, die auf dem Weg nach Sankt Petersburg war.

Noch immer haben russische und britische Charter-Gesellschaften den Verkehr nach Ägypten nicht wieder aufgenommen - anders als deutsche Urlaubs-Anbieter. Um den Schutz vor Terrorakten zu erhöhen, müssen deutsche Fluggesellschaften aber ihre Sicherheitsmaßnahmen an ägyptischen Flughäfen verbessern. Das Verwaltungsgericht Braunschweig wies eine Klage mehrerer Airlines gegen entsprechende vom Luftfahrt-Bundesamt verfügte Auflagen ab, wie es am Freitag mitteilte.

Am Freitagmorgen hatten unbekannte Angreifer zwei Polizisten und drei Rekruten an einem Kontrollpunkt in al-Badraschin nahe der Hauptstadt Kairo offenbar mit automatischen Waffen getötet. Zu solchen Anschlägen auf die Sicherheitskräfte kommt es immer wieder. Dahinter stehen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat oder mehrere neuer Gruppen, die nach Ansicht westlicher Geheimdienste aus gewaltbereiten Fraktionen der Jugend der verbotenen Muslimbruderschaft hervorgegangen sind.

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