SZ-Kolumne "Bester Dinge"Und jetzt die Oscar-Vorhersage

(Foto: Danny Moloshok/dpa)

Ein Mathematiker kann jetzt schon berechnen, wer am Sonntag einen Academy Award bekommt. Über die menschliche Sehnsucht nach Orakeln.

Von Martin Zips

In seiner Gier nach zuverlässigen Vorhersagen wollte sich der Mensch zuletzt nicht mehr nur auf Glaskugeln, Handflächen und Kaffeesatz verlassen. Daher schwenkte er vermehrt auf Orakel-Tiere wie den Fußball-WM-Kraken Paul, aber auch auf Virologen und Wetter-Apps um. Doch viel verändert hat sich bei der ganzen Hellseherei nicht. Einst beantwortete in Delphi die Priesterin Pythia Fragen nach der Zukunft (meist gegen Bezahlung). Heute gibt es die Academy-Awards-Prognosen von Iain Pardoe. Seit 16 Jahren schon rührt der US-Mathematiker allerlei Details zur Oscar-Verleihung in seinen Formeltopf (Anzahl der bisher erfolgten Nominierungen, bereits erhaltene weitere Preise, Zusammensetzung der Jury, Aspekte der Diversität). Und siehe da: Schon jetzt weiß Pardoe die Namen aller Gewinnerinnen und Gewinner vom Sonntag. Zumindest für die vier wichtigsten Kategorien (bester Film, beste männliche und weibliche Hauptrolle, beste Regie).

Seine Trefferquote war zuletzt erstaunlich: 78 Prozent. Für die nun kommende Verleihung dürfen sich daher Will Smith, Jessica Chastain und Jane Campion samt "The Power of the Dog" berechtigte Hoffnungen machen. Bleibt nur die Frage, ob Pardoe nicht auch noch die Maße des Taschentuchs von Walt Disney (26 Oscars! Rekord!), die Anzahl der Punkte auf dem Kleid im Film "Die Frau, von der man spricht" mit Katharine Hepburn (zwölf Nominierungen, vier Oscars!) sowie die Biegung eines Brillenbügels von Woody Allen (24 Nominierungen, auch vier Oscars!) mit in seinen Formeltopf schmeißen sollte. Die Trefferquote kann das nur erhöhen.

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