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Abtreibung in den USA:Mit allen Mitteln

Gleichzeitig versuchen Republikaner seit Jahren, Non-Profit-Organisationen wie Planned Parenthood, die neben anderen gynäkologischen Leistungen auch Abtreibungen durchführen, die Finanzmittel zu streichen. In diesem Fall müssten wohl zahlreiche Kliniken schließen.

Dabei ist der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen ohnehin bereits abhängig vom Wohnort. Das liberale Kalifornien verfügt über 150 Kliniken, die Abtreibungen vornehmen. Im konservativen South Carolina dagegen existieren nur drei, und das ebenfalls republikanisch dominierte Mississippi hat eine einzige Klinik. Gerade für ärmere Frauen ist ein Schwangerschaftsabbruch damit schwierig bis unmöglich.

Abtreibung in Deutschland

Während in den USA Abtreibung nach einem Urteil des Supreme Court von 1973 erlaubt ist, ist in Deutschland ein Schwangerschaftsabbruch immer noch illegal.

Eine Abtreibung in Deutschland ist jedoch straffrei, wenn die Schwangere den Abbruch innerhalb der ersten zwölf Wochen durchführen lässt und mindestens drei Tage vorher an einem Beratungsgespräch in einer staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle teilnimmt. Zudem sind Abtreibungen straffrei, wenn die Schwangerschaft durch ein Sexualdelikt entstanden ist.

In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch - anders als in den USA - immer noch rechtswidrig. Dennoch scheint es in der Praxis für viele Frauen leichter zu sein, diesen durchzuführen: Eine Abtreibung bleibt straffrei, wenn die Schwangere den Abbruch innerhalb der ersten zwölf Wochen durchführen lässt und mindestens drei Tage zuvor an einem Beratungsgespräch in einer staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle teilnimmt. Zudem sind Abtreibungen straffrei, wenn die Schwangerschaft durch ein Sexualdelikt entstanden ist.

Vor kurzem wurde eine Gießener Ärztin zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie auf ihrer Homepage für Abtreibungen wirbt. Der Paragraf 219a des Strafgesetzbuches verbietet das. Ob diese Regelung noch zeitgemäß ist, wird gerade öffentlich diskutiert. Eine Petition zur Abschaffung des Paragraphen hat bereits 156 000 Unterschriften gesammelt. Gleichzeitig verschärft sich in jüngster Zeit auch in Deutschland die Abtreibungsdebatte wieder. Manche sagen, das liege am Aufstieg von Parteien wie der AfD und Bewegungen wie Pegida, die versuchen, ihre evangelikalen und radikal katholischen Ansichten durchzusetzen.

"Frauen werden bestraft"

Ganz ähnlich denkt Donald Trump. Im Wahlkampf 2016 machte der US-Präsident Schlagzeilen, als er eine Bestrafung für Frauen forderte, die abtreiben. Den Zielen der Abtreibungsgegner schaden solche rigorosen Aussagen allerdings: Sie bemühen sich seit Jahren um den Eindruck, sich für die Frauen genauso wie um den Fötus zu sorgen. Oft stellen sie Frauen, die abtreiben wollen, als Opfer da, die vor ihren naiven, oft zu emotionalen Entscheidungen geschützt werden müssten.

In der Praxis bereiten viele der konservativen Bundesstaaten den Frauen aber bereits Unannehmlichkeiten, die einer Bestrafung ähneln, schreibt Carol Sanger, Juraprofessorin an der Columbia Universität in ihrem 2017 erschienen Buch "About Abortion". Einer Bestrafung komme etwa gleich, dass Frauen in 32 Bundesstaaten vom Arzt aufgefordert werden, sich das Ultraschallbild ihres Fötus, den sie abtreiben wollen, anzusehen.

Abtreibung "Das Beratungsgespräch war die Hölle"
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Abtreibung

"Das Beratungsgespräch war die Hölle"

Zwei Frauen, die abgetrieben haben, erzählen von ihren Erlebnissen mit der Pflichtberatung. Und wünschen sich öffentliche Informationen darüber, welche Ärzte Schwangerschaftsabbrüche vornehmen.

In den USA zeigt die Anti-Abtreibungs-Politik bereits Folgen. Allerdings andere, als sich die Republikaner erhofft haben dürften. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Analisa Packham von der Miami Universität hat herausgefunden, dass durch die Streichung von Finanzmitteln für Familienberatungsstellen die Zahl der Teenager-Schwangerschaften gestiegen ist. Schwangere Jugendliche seien wiederum vor allem in ärmeren Schichten zu finden. Speziell in Texas hätten die seit 2011 verschärften Abtreibungsregelungen dazu geführt, dass der Bundesstaat mehr Geld als jeder andere im Zusammenhang mit ungewollten Schwangerschaften ausgibt.

Benachteiligt von einer derartigen Politik seien am Ende wieder die Frauen, wie Kritiker anmerken: Ungewollte Schwangerschaften unterbrechen die Ausbildung der jungen Mütter und machen sie oft genug abhängig von Leistungen des Sozialstaats. Radikale Republikaner nutzen diese Entwicklung wiederum, um gegenüber ihren Wählern den - längst widerlegten - Mythos der "Welfare Queens" zu propagieren: Frauen, die Kinder bekommen hätten, ohne es sich leisten zu können - und sich nun vom Staat "luxuriös aushalten" ließen.