Süddeutsche Zeitung

Absturz in französischen Alpen:Zweite Blackbox ausgewertet - Copilot leitete Sinkflug ein

  • Der Copilot der Germanwings-Maschine hat Flug 4U9525 gezielt in den Sinkflug und damit zum Absturz gebracht. Diese Vermutung bestätigt eine erste Auswertung des zweiten Flugschreibers.
  • Die zweite Blackbox war erst am Donnerstag gefunden worden. Noch am Abend begannen Mitarbeiter der zuständigen Behörde in Paris mit ihrer Untersuchung.
  • Zur psychischen Erkrankung des Copiloten werden immer mehr Details bekannt. Offenbar soll er auf der Suche nach Hilfe eine Reihe von Ärzten konsultiert haben.

Copilot erzeugte Sinkflug gezielt

Eine erste Auswertung des zweiten Flugschreibers erhärtet die These, dass der Copilot den Absturz der Germanwings-Maschine absichtlich herbeiführte. Wie die französische Untersuchungsbehörde Bea in Paris mitteilte, habe sich bestätigt, dass der im Cockpit Anwesende den Airbus A320 gezielt in den Sinkflug brachte.

Der Autopilot sei so eingestellt worden, dass das Flugzeug auf 100 Fuß - umgerechnet etwa 30 Meter - hinuntergeht. Zugleich sei der Airbus mehrfach beschleunigt worden.

Eine Untersuchung des bereits am Absturztag gefundenen Stimmrekorders hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Marseille ergeben, dass Copilot Andreas Lubitz allein im Cockpit war, als Flug 4U9525 am 24. März mit 150 Menschen an Bord in den Alpen abstürzte.

Die Auswertungs-Arbeiten würden aber noch fortgesetzt, um den "präzisen faktischen Ablauf des Flugs festzustellen", teilten die Ermittler weiter mit.

Schnelle Auswertung des Flugschreibers

Der zweite Flugschreiber war erst am Donnerstag nach intensiver Suche am Absturzort gefunden worden. Er war unter Geröll verschüttet. Am Abend sei er in die Räumlichkeiten der Luftfahrtuntersuchungsbehörde gebracht worden, teilte diese mit. Die Teams der Bea hätten gleich nach der Ankunft mit den Arbeiten zur Öffnung begonnen.

Die erste Blackbox, der sogenannte Stimmrekorder, war schon kurz nach dem Absturz der Germanwings-Maschine gefunden worden. Seine Untersuchung wies darauf hin, dass der 27-jährige Copilot den Airbus gezielt abstürzen ließ.

Copilot konsultierte offenbar zahlreiche Ärzte

Seit dem Unglück werden immer mehr Details über eine schwere psychische Erkrankung von Andreas Lubitz bekannt. Demnach war der Copilot in der Vergangenheit wegen Depressionen und Suizidgefahr behandelt worden. Der Staatsanwaltschaft Düsseldorf zufolge hatte er sich erst kürzlich im Internet über Möglichkeiten einer Selbsttötung informiert.

Dem Spiegel zufolge haben die Düsseldorf Ermittler auch mindestens fünf Arztpraxen durchsucht, die der Copilot konsultiert haben soll. Nachdem der Name Andreas Lubitz öffentlich bekannt geworden war, meldeten sich mehrere Mediziner und berichteten, dass er auch bei ihnen gewesen sei. Lubitz suchte demnach sowohl Fachärzte für Neurologie als auch Fachärzte für Psychiatrie auf. "Für einen jungen Mann hat er eine erstaunliche Anzahl von Ärzten konsultiert", heißt es aus Kreisen der Ermittler.

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SZ.de/AFP/dpa/gal
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