Süddeutsche Zeitung

Bunte-Chefredakteurin:Bussi-Bussi, Patricia!

20 Jahre war sie Chefin der Bunten. Jetzt liegt das letzte Heft unter ihrer Leitung am Kiosk und Patricia Riekel wird gefeiert, von Redaktion und Verleger, von der Münchner Mia-san-Mia-Gesellschaft und sogar von Rudolf Scharping.

Chefredakteure sind wie Fußballtrainer; wenn es gut läuft, sind sie die Antreiber. Läuft es nicht so gut, sind sie die Getriebenen, die man gar nicht schnell genug loswerden kann, und je wichtiger das Medium, desto ruppiger die Entsorgung, notfalls hilft dabei einer der Senior-Editor-Posten, die netteste Art eines Verlegers zu sagen: Eigentlich brauchen wir dich nicht mehr, aber du darfst bleiben.

Das Gegenteil eines stillen Abgangs erlebt gerade Patricia Riekel, die nach zwanzig Jahren an der Spitze der Bunten mit einer grandiosen Dankesfeier am Münchner Arabellapark verabschiedet wurde. Peter Maffay überreichte ihr auf offener Bühne einen "Bambi für Kreativität", Vicky Leandros schmetterte ein Ständchen, Video-Grüße kamen von Til Schweiger, Christian und Bettina Wulff, Florian Silbereisen und sogar von Rudolf Scharping, der als Verteidigungsminister einst über eine in der Bunten dokumentierte Pool-Planscherei mit seiner damaligen Gräfin stolperte.

Burda schenkt ihr eine 60-seitige Bussi-Broschüre

An diesem Donnerstag liegt nun also die letzte Ausgabe der Bunten am Kiosk, für die Patricia Riekel verantwortlich zeichnet. Im Mittelpunkt stehen alte Bekannte wie Boris Becker, der seiner Frau Lilly zum 40. Geburtstag gerade eine "wilde Liebes-Party" in London geschenkt hat.

Fast schon rührend ist der Hausbesuch bei Vize-Kanzler Sigmar Gabriel und seiner Zahnärztin Anke, die nach längerem Bohren seitens des SPD-Chefs auch seine Gattin geworden ist: Sanftmütiger und kuscheliger hat man Gabriel wohl noch nie erlebt, im heimischen Garten fällt alles Rabaukenhafte von ihm ab: "Ein respektvoller und freundlicher Umgang hat noch niemandem geschadet", sagt er über die Kanzlerin. Johannes B. Kerner nähert sich nach der Trennung von seiner langjährigen Ehefrau offenbar neuen blonden Herausforderungen; der Glücksforscher Florian Langenscheidt verabschiedet sich einmal mehr von einer Traumfrau; der tote Udo Jürgens darf sich noch einmal im Grabe umdrehen, weil die Kinder auch was vom Erbe sehen wollen.

Aufschlussreicher ist die von Hubert Burda persönlich herausgegebene Festschrift "Patricias München". Wenn die Zahlen gestimmt haben, bekommen Chefs zum Abschied ein paar nette Worte. Patricia Riekel kriegt von ihrem Verleger, der in den Siebzigerjahren auch mal Chefredakteur der Bunten war, eine 60-seitige Bussibroschüre, die beim Abschiedsfest überreicht wurde.

München, die barocke Kunst- und Kulissenstadt, "die prallen Dekolletés" grüßen genauso wie die "coolen Eisbachsurfer". Wer "an einem lauen Sommerabend im Hofgarten bei Schumann's" tafelt, gehört definitiv zur Mia-san-Mia-Gesellschaft. Seit die Bunte 1983 von Offenburg nach München zog, habe sie auch immer das Lebensgefühl dieser Stadt abbilden wollen, schreibt Burda.

Und so gerät der Abschied auch zum nostalgischen München-Bekenntnis. Die Abendsonne leuchtet in den prächtigsten Farben, ein mildes Licht legt sich auf die Gesichter der in die Jahre gekommenen Zelebritäten, und man weiß nicht, wer schöner ist, die fast faltenfreie Kanzlerin oder die ewige Buhlschaft in Form von Veronica Ferres. Ob das alles nicht ein Tick zu viel ist? Ach, hier geht eine Ära zu Ende, da darf man schon seufzen.

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SZ vom 30.06.2016/olkl
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