Absage von "Rock am Ring":"Gravierendste Situation in 32 Jahren Festivalgeschichte"

Rock am Ring

Rock am Ring: Das Festival wurde aufgrund erneuter Unwetterwarnungen abgebrochen - doch die Abreise ist beschwerlich.

(Foto: dpa)
  • Mehr als 90000 Besucher von "Rock am Ring" müssen vorzeitig abreisen - der letzte Spieltag findet aufgrund drohender Unwetter nicht mehr statt.
  • Veranstalter Marek Lieberberg sagt: "Ich sehe auf unserer Seite keine Verantwortung."
  • Viele Besucher äußern in den sozialen Medien Verständnis - und ärgern sich zugleich über die teils chaotischen Verhältnisse nach der Absage.

Von Hans von der Hagen

Vielleicht konnte der Auftritt der Red Hot Chili Peppers am Samstagabend noch manche Festivalbesucher besänftigen: Er war einer der Höhepunkte des gigantischen Rock-Festivals "Rock am Ring" mit seinen mehr als 90000 Besuchern - und fand gerade noch rechtzeitig statt. Denn am heutigen Sonntag steht nur noch ein Punkt auf dem Programm: Abreise. Nachdem schon am Freitagabend Blitzeinschläge etwa 80 Personen zum Teil schwer verletzt hatten, entzog die Verbandsgemeinde Mendig angesichts drohender neuer Unwetter dem Festival die Spielgenehmigung für den letzten Spieltag.

Noch in der Nacht hatte in einem fahl beleuchteten Video-Statement Veranstalter Marek Lieberberg gesagt: "Wir sind geschockt, wir sind alle sehr betroffen. Es ist die gravierendste Situation, glaube ich, in 32 Jahren Festivalgeschichte." Man habe dem Veranstalter die Spielgenehmigung "aufgrund der Unwettersituation" entzogen. Lieberberg sprach von höherer Gewalt. Keiner könne abschätzen, was der nächste Tag bringe. "Wir haben heute diesen Spieltag mit sehr viel Kraft und sehr viel Emphase noch durchgesetzt, aber leider, leider geht es nicht weiter."

"Grandios gescheitert"

In sozialen Medien spiegeln die Kommentare der Festivalbesucher nun gleichermaßen Enttäuschung und Verständnis. Vielleicht bringt dieser Facebook-Post die Gemengelage am besten auf den Punkt: "Erst heulen alle rum das man das Festival abbrechen sollte und jetzt wird die Genehmigung von der Stadt Mendig entgezogen, dafür können niemals die Veranstalter was für, und jetzt heulen wieder alle rum, egal was man macht irgendwie ist alles Scheisse..."

Die markante Wetterlage am Sonntagnachmittag schien die Entscheidung aber auch im Nachhinein zu rechtfertigen: Zumindest veröffentlichte der Veranstalter im Laufe des Tages wiederholt Warnungen vor Gewittern.

Ursprünglich sollte bis zum Mittag das Festivalgelände geräumt sein, doch das klappt nicht. Verärgert kommentierten Besucher auf der Facebook-Seite von "Rock am Ring": "Sollte es je einen Evakuierungsplan gegeben haben, ist dieser in der Praxis grandios gescheitert." Oder: "secutitys aufm parkplatz die da etwas bewegen und mal verkehr regeln wäre auch spitze.. diese abreise ist die reinste katastrophe..." Oder auch nur: "WIR HABEN UNS NOCH NICHT EINEN ZENTIMETER BEWEGT." Manche interessiert natürlich auch, ob das Abschleppen der Autos aus dem Schlamm mit Hilfe von Treckern kostenlos sei oder vielleicht 10 oder vielleicht doch mehr als 100 Euro koste. Lieberberg sagt am Sonntag, dass 30 Trecker offiziell im Einsatz seien, um Fahrzeuge kostenlos freizuschleppen. Gleichzeitig warnt er davor, nicht autorisierte Angebote anzunehmen.

Mittlerweile sehe das Festivalgelände aus "wie ein verlassenes Armeelager". Lieberberg rechnet durch die Absage mit zusätzlichen Kosten in Millionenhöhe, schon für die Wiederherstellung der Anlage. "Wir haben uns vehement gegen die Entscheidung der Gemeinde gewehrt", sagt er, zumal die kritische Wetterlage am Sonntag nur etwa in der Zeit zwischen 13 und 17 Uhr bestehen sollte. Danach hätte man weitermachen können.

Doch die Gemeinde, die die Entscheidung in Verbindung mit der zuständigen Polizeidirektion getroffen habe, habe einen Facebook-Post des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz als Weisung interpretiert, das Festival abzusagen. Lewents hatte geschrieben: "RAR, meine dringende Empfehlung an den Veranstalter und die VGV Mendig als Genehmigungsbehörde für 'Rock am Ring': das war's für 2016."

Lieberberg sagt daher: "Ich sehe auf unserer Seite keine Verantwortung." Entsprechend stelle sich auch nicht die Frage nach einer Teilerstattung der Tickets, die immerhin knapp 200 Euro gekostet haben.

Somit bleibt den Musikfans nur die Hoffnung, dass im kommenden Jahr Wetter und Organisation besser werden. Eine Besucherin kommentiert: "2015 hat man die schlechte Organisation noch auf den neuen Veranstaltungsort geschoben und die wenigen Erfahrungen die man dort hatte. Dieses Jahr, lieber Hr. Lieberberg, ist das nicht mehr möglich."

© SZ.de/hgn/sks
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