Süddeutsche Zeitung

Abgestürzter Flug MH17:Auswärtiges Amt bestätigt Tod von vier Deutschen

Alle 298 Insassen des in der Ostukraine abgestürzten Flugzeugs sind tot, zahlreiche Opfer wurden bereits geborgen. An Bord waren vier Deutsche, die Mehrheit der Passagiere stammte aus den Niederlanden. Die Behörden haben den Flugraum über der Ukraine gesperrt.

  • Alle 298 Menschen an Bord des Fluges MH17 sind tot.
  • Unter den Opfern befinden sich 189 Niederländer. Das Auswärtige Amt hat außerdem den Tod von vier deutschen Passagieren bestätigt.
  • An Bord der Maschine sollen mehrere renommierte Aids-Forscher gewesen sein.
  • Zahlreiche Fluglinien ändern ihre Routen und umfliegen den Luftraum der Ukraine.

298 Tote

Die Absturzstelle in der Nähe des ostukrainischen Ortes Grabowo bietet ein Bild des Grauens. Trümmerteile der Maschine liegen im Umkreis von mehreren Kilometern verteilt, dazwischen Gepäckstücke und entstellte Leichen. Alle Insassen des Malaysia-Airlines-Flugzeugs sind tot. An Bord waren 298 Menschen, darunter 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder. Unter den Toten sind zahlreiche Kinder, darunter auch drei Säuglinge.

Die Maschine vom Typ Boeing 777 war um 12:15 Uhr in Amsterdam gestartet und sollte um 6:15 Uhr Ortszeit in Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, landen. Das Flugzeug befand sich in einer Höhe von zehn Kilometern, als um 14:15 Uhr die Funkverbindung abbrach.

Vier Deutsche unter den Opfern

Das Auswärtige Amt bestätigt, dass vier Deutsche bei dem Unglück ums Leben gekommen sind. Laut Malaysia Airlines waren außerdem 189 Niederländer, 44 Malaysier, 27 Australier, zwölf Indonesier, neun Briten, vier Belgier, drei Philippiner, ein Kanadier und ein Neuseeländer an Bord der Maschine. Die Nationalitäten von vier weiteren Opfer sind noch nicht geklärt.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte hat eine Auslandsreise vorzeitig abgebrochen. "Ich bin zutiefst geschockt von den dramatischen Berichten", heißt es in einer Erklärung des Premier. US-Präsident Barack Obama sprach Rutte in einem Telefongespräch sein Beileid zum "tragischen Tod" der niederländischen Passagiere aus. Die USA seien bereit, eine "sofortige, vollständige, glaubwürdige und ungehinderte" Untersuchung zu unterstützen. Beide Politiker betonten demnach, dass internationale Experten Zugang zur Absturzstelle erhalten müssten.

Mehrere Teilnehmer der Welt-Aids-Konferenz an Bord

Berichten zufolge befinden sich eine Reihe von Aids-Forschern unter den Opfern, die auf dem Weg zu einer Konferenz in Melbourne waren, darunter Joep Lange, der ehemalige Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft.

Auch ein Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist unter den Opfern. Das bestätigte die Organisation an diesem Freitag. Die WHO schließt demnach nicht aus, dass noch weitere ihrer Mitarbeiter an Bord der Maschine gewesen sein könnten.

Verzweiflung am Flughafen, Fassungslosigkeit auf Facebook

Ratlos, tief bestürzt und weinend meldeten sich nach dem Unglück Freunde und Verwandte am Informationsschalter, wie das niederländische Fernsehen berichtet. "Ich habe gehört, dass ich mich hier melden soll", sagte eine Frau. "Mein Schwager saß in der Maschine." Reiseveranstalter und das Außenministerium haben für Angehörige eine Sondertelefonnummer eingerichtet. Auf den Facebook-Seiten der Opfer drücken Freunde und Bekannte ihr Entsetzen aus. Einige Passagiere hatten vor der Reise noch Postings voller Vorfreude abgeschickt.

Luftraum über der Ostukraine gesperrt

In Reaktion auf das Unglück haben die ukrainischen Behörden beschlossen, den Luftraum über der Ostukraine zu sperren. Die Maßnahme gilt vorerst unbefristet. Angesichts der Ereignisse ändern zahlreiche Fluggesellschaften ihre Routen. "Die Lufthansa hat sich entschieden, von sofort an den ostukrainischen Luftraum weiträumig zu umfliegen", sagt eine Sprecherin der Fluglinie.

Das französische Verkehrsministerium hat die nationalen Fluglinien aufgefordert, den Luftraum über der gesamten Ukraine nicht mehr zu benutzen. Zahlreiche weitere Fluglinien meiden ebenfalls den Luftraum über der Ukraine, darunter British Airways, Turkish Airlines, Aeroflot und Transaero (beide aus Russland).

Malaysia Airlines: Zweiter Verlust innerhalb weniger Monate

Für Malaysia Airlines ist es schon der zweite Verlust einer Passagiermaschine in diesem Jahr. Am 8. März war der Flug MH370 nach dem Start in Kuala Lumpur in Richtung Peking von den Radarschirmen verschwunden. An Bord der Boeing 777 waren 239 Menschen. Über ihr Schicksal und darüber, was an Bord der Maschine passierte, herrscht völlige Ungewissheit. Trotz intensiver Suche wurde bislang keine Spur der Unglücksmaschine entdeckt.

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