Angriff in der SchweizPolizei spricht von Amoklauf in Aarau

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Eine Gedenkstätte auf dem Gelände bei Aarau, wo am Wochenende der Rave stattfand, bei dem eine Frau erschossen und sechs weitere Menschen verletzt wurden.
Eine Gedenkstätte auf dem Gelände bei Aarau, wo am Wochenende der Rave stattfand, bei dem eine Frau erschossen und sechs weitere Menschen verletzt wurden.
FABRICE COFFRINI/AFP
  • Ein 43-jähriger Schweizer soll auf einem Techno-Festival in Aarau eine Frau erschossen und sechs weitere Personen verletzt haben.
  • Der mutmaßliche Täter stellte sich in der Nacht auf Montag der Polizei und gab an, dass es ihm gesundheitlich schlecht gehe, möglicherweise liegt eine psychische Erkrankung vor.
  • Die Polizei spricht von einem Amoklauf ohne politisches oder extremistisches Motiv, das genaue Tatmotiv bleibt aber weiterhin unklar.
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Der Schütze, der auf einem Technofestival in der Schweiz eine Frau getötet und sechs weitere verletzt haben soll, leidet womöglich an einer psychischen Krankheit. Doch vieles bleibt unklar, darunter das genaue Motiv.

Von Nicolas Freund, Zürich

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Es sind zumindest ein paar Antworten, die Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwochnachmittag geben konnten. Dennoch bleibt der Angriff auf einen Techno-Rave im Schweizerischen Aarau mit einer Toten und sechs Verletzten zum großen Teil ein Rätsel. Bei dem Angreifer soll es sich um einen 43 Jahre alten Schweizer aus dem Kanton Jura handeln. Er hatte sich in der Nacht auf Montag der Polizei in seiner Heimat gestellt. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ sei das der gesuchte Schütze, sagte Michael Leupold, Kommandant der Aargauer Polizei. Es gebe keine Hinweise auf weitere Täter oder Mitwisser. Die Zahl der Verletzten hat sich von fünf auf sechs erhöht, weil sich eine verwundete Person erst am Montag bei der Polizei gemeldet habe.

Laut dem zuständigen Staatsanwalt Christoph Rüedi, der den Verdächtigen selbst verhört hatte, soll dieser die Aussage verweigert haben. Er habe aber angegeben, dass es ihm seit einiger Zeit gesundheitlich schlecht gehe. Möglicherweise liege eine psychische Erkrankung vor. Entsprechende Dokumente, die das belegen, gebe es derzeit aber noch keine. Das Motiv für den Angriff sei weiterhin unklar, ebenso, warum er sich genau dieses Techno-Festival in einem anderen Kanton als Angriffsziel ausgesucht hatte. Es gebe keinerlei Hinweise auf ein politisches oder extremistisches Motiv. Man gehe davon aus, dass es sich bei der Tat um einen Amoklauf handelte, also nicht um einen Terroranschlag oder ein Verbrechen wie einen Auftragsmord. Polizei und Staatsanwaltschaft verwiesen aber auf die laufenden Ermittlungen, deretwegen derzeit noch nicht alle Informationen an die Öffentlichkeit gegeben werden könnten.

Der Einsatzleiter der Aargauer Kantonspolizei Matthias Schildknecht (von links nach rechts), Polizeikommandant und Staatsanwalt Christoph Rüedi bei der Pressekonferenz am Mittwoch.
Der Einsatzleiter der Aargauer Kantonspolizei Matthias Schildknecht (von links nach rechts), Polizeikommandant und Staatsanwalt Christoph Rüedi bei der Pressekonferenz am Mittwoch.
FABRICE COFFRINI/AFP

Der Einsatzleiter Matthias Schildknecht teilte zudem neue Details zum Tathergang mit. Der mutmaßliche Täter sei am frühen Sonntagmorgen auf einen Parkplatz in der Nähe des Raves gefahren und dann zu Fuß weitergegangen. Er habe mit einem Sturmgewehr vom Typ AKS-74, umgangssprachlich nach dem russischen Hersteller als Kalaschnikow bekannt, wahllos 40 Schüsse auf die Besucher des Raves abgefeuert. Zu diesem Zeitpunkt war das Festival eigentlich bereits zu Ende gegangen, es hätten sich aber noch mehr als 100 Personen auf dem Gelände befunden. Der Schütze habe außer dem Gewehr noch zwei Pistolen bei sich gehabt. Die Waffen seien auf den Täter registriert gewesen und legal erworben worden. Der Mann war in der Schweizer Armee ausgebildet worden, hatte diese aber 2013 verlassen und auch seine Dienstwaffe abgegeben. Schweizer Reservisten bewahren ihr Gewehr oft zu Hause auf. Auf dem Rückweg zu seinem Wagen habe der Mann beim Parkplatz dann noch einmal auf ein anderes Fahrzeug geschossen. Dann sei er in Richtung Aarau davongefahren.

Aufgrund dieses Vorfalls mit dem anderen Fahrzeug sei es möglich gewesen, anhand von Fahrzeugtyp und Nummernschild die Zahl der für die Fahndung in Frage kommenden Fahrzeuge schnell einzugrenzen. Bis die Ermittlungen in diese Richtung weiterverfolgt werden konnten, hatte sich der Täter dann aber bereits gestellt.

Vieles bleibt noch offen: Wie kam der Mann an die Waffen? Und war das Festival wirklich ein Zufallsziel?

Viele der bei dieser Pressekonferenz gegebenen Informationen waren bereits zuvor an italienische Medien durchgestochen worden, was weitere Fragen aufwirft: Warum hat die Aargauer Polizei trotzdem mehrere Tage abgewartet, bis sie weitere Informationen herausgegeben hat? Und wie konnte es zu diesem Leck kommen?

Denn trotz der schnellen Festnahme und neuer Erkenntnisse sind die Behörden Antworten schuldig geblieben: War das Festival wirklich ein Zufallsziel? Warum sollte ein Täter mitten in der Nacht in einen anderen Kanton zu genau diesem Festival fahren, das noch dazu bereits vorbei war? Wenn bei dem Täter tatsächlich eine womöglich schwere psychische Erkrankung vorliegen sollte, warum konnte er dann offenbar Waffen legal erwerben, darunter ein Sturmgewehr, beziehungsweise sie nach Diagnose einer möglichen Krankheit behalten? Diese Fragen sind noch dringend zu klären.

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