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20. Todestag:Wie die Royals nach Dianas Tod ihre PR-Strategie änderten

Paparazzi verfolgten Prinzessin Diana bis in den Tod. Nach ihrem tragischen Unfall vor 20 Jahren sah sich das britische Königshaus gezwungen, seine Beziehung zur Presse zu überarbeiten - mit Erfolg.

Es ist 0.25 Uhr in der Nacht zum 31. August 1997, als ein schwarzer Mercedes S 280 in einer Unterführung mitten in Paris gegen einen Pfeiler prallt. Der Wagen ist mit sehr hoher Geschwindigkeit unterwegs. Darin sitzen die britische Prinzessin Diana und ihr Lebensgefährte Dodi Al-Fayed. Den ganzen Abend über sind die beiden von Paparazzi belagert worden. Als sie nach dem Essen im Hotel Ritz nach Hause fahren wollen, sind ihnen die Fotografen wieder auf den Fersen. Der Fahrer drückt aufs Gaspedal - niemand im Auto ist angeschnallt. Als der Wagen gegen den Pfeiler prallt, sind die Fotografen ein Stück weit entfernt. Am Unfallort eingetroffen, halten sie ihre Kameras auf die schwerverletzte Diana. Wenige Stunden später stirbt die Prinzessin im Krankenhaus.

Man muss sich diese Szenen in Erinnerung rufen, wenn man über das britische Königshaus und sein Verhältnis zur Presse spricht. Und das, was in den Tagen nach dem Unfall passiert: Diana ist 36, als sie stirbt, und beim Volk beliebter als alle Royals zusammen, auch wenn sie längst von Prinz Charles geschieden ist. Ihr Tod schockiert Menschen auf der ganzen Welt, dementsprechend groß ist die Bestürzung über die Reaktion der Königsfamilie. Prinz Charles zieht sich mit seiner Mutter Königin Elizabeth II. auf das schottische Anwesen Balmoral zurück. Es gibt keine Mitteilung, kein offizielles Zeichen der Anteilnahme, nichts.

Die Briten verlieren in diesen Tagen nicht nur ihre "Königin der Herzen", sie erleben nach außen hin eine Königsfamilie, die sich so steif, unnahbar und kaltherzig zeigt, wie es ihr die ärgsten Kritiker seit langem unterstellt haben. "Wenn die Windsors nicht ihre Lektion lernen, dann werden sie nicht nur Diana bestatten, sondern auch ihre eigene Zukunft", schreibt die Tageszeitung The Guardian. Das Schweigen des Palastes ist ein PR-Desaster. Jeder vierte Brite befürwortet damals in Umfragen die Abschaffung der Monarchie. Und die Queen scheint zu begreifen. "Paradoxerweise waren es der Tod der 'Prinzessin des Volkes' und die folgenden Gefühlsausbrüche, die die Königsfamilie zur Anpassung gezwungen haben", sagt PR-Experte Mark Borkowski.

Für Diana war das Interesse der Fotografen Fluch und Segen zugleich

Todestag von Prinzessin Diana

Wo Prinzessin Diana auch auftaucht, wie hier vor dem Mortimer Market Centre-Krankenhaus im Juni 1996 in London, wird sie von Fotografen umzingelt.

(Foto: dpa)

Jahrelang hatten sich die britischen Royals kaum um ihre Außenwirkung und die Darstellung in der Presse gekümmert. Den Boulevard ließ man gewähren. Die nahbar wirkende Prinzessin Diana wurde schnell zum beliebtesten Objekt der Fotografen. Für die "Königin der Herzen" ist das Interesse der Fotografen damals Segen und Fluch zugleich. Die junge, schüchterne Diana Spencer ist anfangs noch schockiert, doch gibt ihr die mediale Aufmerksamkeit auch Selbstbewusstsein. Während ihrer Schwangerschaft mit William habe sie den Eindruck gehabt, ganz Großbritannien liege mit ihr in den Wehen, schrieb ihre Biografin Tina Brown vor zehn Jahren. Nach der Trennung von Prinz Charles weiß Diana das Interesse der Presse für sich zu nutzen und steigert ihre Beliebtheitswerte. Sie bezahlt damit, dass die Fotografen nun jeden ihrer Schritte verfolgen - bis in den Tod hinein.

Nach dem tödlichen Unfall in Paris will das Königshaus die Hoheit über die Nachrichten zurückerlangen. Zahlreiche PR-Profis werden eingestellt. Das Ziel der Öffentlichkeitsarbeit ist seitdem: positive Geschichten über die Monarchie verbreiten und gleichzeitig die Privatsphäre der einzelnen Familienmitglieder so gut wie möglich schützen.

Die Queen will weniger unnahbar, dafür menschlicher erscheinen. Auch Prinz Charles habe "enorm viel Geld ausgegeben, damit sehr raffinierte, professionelle, politische Spindoktoren sich um sein Ansehen kümmern", sagt Dianas früherer Privatsekretär Patrick Jephson. Die Kampagne wirkt. 65 Jahre nach ihrer Thronbesteigung ist Königin Elisabeth beim Volk äußerst beliebt. Und Charles hat es sogar geschafft, dass seine frühere Geliebte, Camilla Parker-Bowles, als seine Ehefrau akzeptiert wird.

Keine Paparazzi-Bilder, sondern offizielle Fotos gibt es von Catherine, William und Harry, als sie am Tag vor dem 20. Todestag der Prinzessin einen Garten am Kensington-Palast besuchen, der Diana gewidmet ist.

(Foto: AFP)

Den Umgang mit der Presse perfektioniert haben schließlich Dianas Söhne William und Harry. Die Prinzen zeigen sich charmant - scheuen aber auch nicht vor Kritik zurück.

William und Harry wehren sich gegen übergriffige Fotografen

Als etwa Ende 2016 die Liebesbeziehung von Prinz Harry und Schauspielerin Meghan Markle bekannt wird, gibt der Palast eine für seine Verhältnisse scharf formulierte Presseerklärung heraus. Markle sei "Ziel von Belästigungen und Beleidigungen" gewesen, heißt es darin. Reporter und Paparazzi hätten Freunde sowie die Mutter der Schauspielerin massiv bedrängt. Aus Sorge um die Sicherheit seiner Freundin sorgt Harry sogar für Polizeischutz.

Die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton wird medial breit ausgeschlachtet - samt Live-Übertragung der Trauung am 29. April 2011 in der Westminster Abbey. Doch danach sorgt der Palast wieder für die Privatsphäre des jungen Paares - notfalls auch mit juristischen Mitteln. So verhindert man etwa, dass von einem französischen Fotografen aufgenommene Nacktbilder der Herzogin weiter verbreitet werden, die Herzogin fordert gar einen Schadensersatz von 1,5 Millionen Euro.

Die Presse wird weiter mit Informationen und Bildern gefüttert, die das öffentliche Bild des Königshauses prägen sollen. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht der Palast Familienfotos, gerne von Herzogin Catherine selbst geschossen. Die jüngsten Royals, George und Charlotte, werden hin und wieder bei öffentlichen Terminen von ihren Eltern William und Catherine präsentiert - sonst aber, wie zuletzt beim Besuch in Deutschland, größtenteils von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Die PR-Maschine des Kensington-Palastes scheint zu laufen. Und Paparazzi, die sich im Kampf um das beste Foto Autorennen liefern, erscheinen wie aus der Zeit gefallen.

Mit Material der Nachrichtenagenturen.

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