17. Mai 2010, 21:22 Prozess im Inzestfall Amstetten "Keine Anzeichen von Reue"

Josef Fritzl vor Gericht: Im Prozess um das Drama von Amstetten hat der Angeklagte nur ein Teilgeständnis abgelegt - beim Vorwurf des Mordes hält er sich für unschuldig.

Im Prozess um das Inzest-Drama von Amstetten hat der Angeklagte Josef Fritzl ein Teilgeständnis abgelegt. Vor dem Landesgericht in Sankt Pölten bekannte er sich des Inzestes, der Nötigung und der Freiheitsberaubung für schuldig.

Josef Fritzl bei seiner Ankunft vor Gericht: Mit einem blauen Aktenordner schützte er sich vor dem Blitzlichtgewitter der Fotografen.

(Foto: Foto: Getty)

Auf die Frage nach den fortdauernden Vergewaltigungen, der Blutschande, der fortdauernden Freiheitsberaubung seiner Tochter und dreier Kinder antwortete Fritzl mit "schuldig" oder "teilschuldig". So will er sich der Vergewaltigung nur teilweise schuldig gemacht haben. Mit einem klaren "nicht Schuldig!" wies er den Vorwurf des Mordes an einem seiner Kinder aber zurück.

Fritzls Verteidiger hatte bereits im Vorfeld ein Teilgeständnis seines Mandanten angekündigt. Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes droht Fritzl eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Staatsanwaltschaft hat bereits eine Sicherheitsverwahrung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt, für den Fall, dass Fritzl nicht zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt wird.

Unterdessen hat die Staatsanwältin Christiane Burkheiser den Laienrichtern das "unvorstellbare Martyrium" der Fritzl-Opfer in drastischen Worten geschildert. "Es gab kein Warmwasser, keine Dusche, keine Heizung und vor allem kein Tageslicht und keine Frischluftzufuhr", beschrieb Burkheiser die Lebensumstände der Gefangenen. Diese habe lediglich wegen der undichten Mauern Luft zum Atmen gehabt. In den ersten neun Jahren habe es dort nichts außer einem Waschbecken, einem Schlafplatz und einer Kochplatte gegeben.

Die ersten neun Jahre ihrer Gefangenschaft habe die Frau auf elf Quadratmetern gelebt, ehe der Vater den Keller ausbaute, "zeitweise mit drei kleinen Kindern und einem Baby im Bauch", erklärte die Staatsanwältin. Bereits am zweiten Tag ihrer Gefangenschaft habe Fritzl die damals 18-Jährige "im Kellerverlies vergewaltigt".

"Riechen Sie!"

Die Anklägerin hatte die Tür zum Schwurgerichtssaal in einer Höhe von 1,74 Metern markieren lassen, um den Geschworenen die Höhe des Kellerverlieses mit einem Laserpointer vor Augen führen zu können. Zweimal habe sie den Keller besichtigt, sagte Burkheiser der österreichischen Agentur APA zufolge: "Dort herrscht eine morbide Atmosphäre. Sie müssen auf den Knien kriechen, um ins Verlies zu gelangen. Die Schleusentür ist nur 83 Zentimeter hoch. Es ist feucht, schimmlig, modrig. Die Feuchtigkeit kriecht ihnen in den Rücken und in die Knochen."

Danach überreichte die Staatsanwältin den Geschworenen eine Box mit Mitbringseln aus dem Keller. Sie selbst sprach von "Duftproben" und forderte die Laienrichter auf: "Riechen Sie an den Gegenständen!"

Über den Angeklagten sagte sie, er habe "keine Anzeichen von Reue und Unrechtsbewusstsein gezeigt". Fritzl wirke "wie ein netter alter Herr von nebenan".

Sie bescheinigte ihm "ein gut gepflegtes Äußeres und höfliches Auftreten". Der 73-Jährige habe sich kooperativ gezeigt: "Er hat alle meine Fragen beantwortet." Vor dem Prozess sagte Fritzls Verteidiger Rudolf Mayer, sein Mandant sei nervös. Fritzl saß laut APA zitternd und mit gefalteten Händen vor der Vorsitzenden Richterin Andrea Humer. Sein Gesicht war für die Zuschauer nicht erkennbar: Er saß mit dem Rücken zum Publikum. Bei seiner Ankunft verbarg er es hinter einem blauen Ordner.

Die Richterin machte in ihren einführenden Bemerkungen deutlich, dass man es sich mit einem Einzeltäter zu tun habe: "Das ist nicht das Verfahren eines Ortes oder einer gesamten Nation."