17 Tage Trauer Orca-Mutter trennt sich von totem Kalb

J-35 und ihr Junges. Immer wieder drückt die Mutter mit ihrem Kopf den leblosen Körper an die Wasseroberfläche.

(Foto: AP)
  • Nach 17 Tagen hat sich das Orca-Weibchen J-35 von seinem kurz nach der Geburt verstorbenen Kalb getrennt.
  • Forscher sind erleichtert, weil sich das Muttertier wieder in seine Gruppe einfügt.
  • Schwertwale sind weltweit gesehen nicht vom Aussterben bedroht. Dass ein Orca-Junges allerdings in der Meeresgegend der Salish Sea vor Seattle im Bundesstaat Washington überleben konnte, ist Jahre her.
Marie Schiller

Es ist eine traurige Geschichte, die 17 Tage dauerte: Sie handelt von einem nach der Geburt verstorbenen Schwertwal-Kalb und seiner Mutter. Ihr haben Forscher gleich zwei Namen gegeben: J-35 und Tahlequah. Einer Legende der Cherokee-Indianer zufolge bedeutet Letzterer so viel wie "zwei sind genug".

Über zwei Wochen lang hat der Orca das unmittelbar nach der Geburt verstorbene Junge noch mit sich geführt. Die Bilder gingen um die Welt, die Geschichte hat viele Menschen gerührt. Tahlequah hat ihr Junges vor sich hergeschoben, es immer wieder an die Wasseroberfläche gedrückt, nicht aufgehört, es zu umsorgen, nicht losgelassen, über eine Wegstrecke von 1600 Kilometern hinweg.

Dass Meeressäuger wie Delfine und Orcas ihren verstorbenen Nachwuchs nach deren Tod bei sich behalten, wurde schon häufiger beobachtet. Ähnliches gibt es auch bei Landtieren, bei Elefanten zum Beispiel. Wenn ein Artgenosse stirbt, tragen die Herden seine Knochen mitunter noch wochenlang mit sich herum.

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Bei Schwertwalen dauert diese Trauerphase üblicherweise nicht länger als eine Woche. Daher machten sich die Wissenschaftler vom Zentrum für Walforschung im US-Bundesstaat Washington Sorgen um das Wohlergeben von J-35. Jetzt atmen sie auf, denn Talehquah hat ihr verstorbenes Junges dem Meer überlassen.

Den Forschern zufolge konnten sie das Muttertier am Wochenende dabei beobachten, wie es zwischen Vancouver Island (Kanada) und dem amerikanischen Festland Lachse jagte und mit Artgenossen herumtollte. "Ihre Trauerphase ist jetzt vorbei und ihr Verhalten ist wieder ausgelassen", so die Walforscher gegenüber dem britischen Fernsehsender BBC.

In dieser Gegend der Nebengewässer des Nordostpazifiks vor der Küste Kanadas und der USA gelten Orcas als stark gefährdet. Die Tiere ernähren sich hauptsächlich von Königslachs, dessen Bestände in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen sind. Überfischung und Verschmutzung bedrohen die wildlebenden Lachse - und damit auch die Orcas. Außerdem verhindern Dämme, dass die Lachse zu ihren Laichgründen in Flüssen gelangen können.

Das letzte Mal, dass ein Orca-Kalb vor der US-amerikanischen und kanadischen Küste in der Salish Sea genannten Meeresregion die Wochen nach seiner Geburt überstanden hat, ist bereits drei Jahre her. Im Juni gab das Walforschungszentrum in Friday Harbor an, dass es in der Region etwa 75 Wale gebe, die in drei Gruppen lebten. Tahlequahs Gruppe ist 23 Tiere stark. Das nun verstorbene Kalb war das vierte, das Tahlequah zur Welt gebracht hat. Ihr ältestes, J-47 oder auch "Notch", ist acht Jahre alt. Seine drei Geschwister haben nicht überlebt.

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