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Wissenschaft - Gießen

Inzucht bei Rotwild: Fachleute fordern mehr Grünbrücken

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Alsfeld (dpa/lhe) - Wegen genetischer Verarmung und Inzucht ist das Rotwild in Hessen massiv bedroht. Die genetische Vielfalt der größten heimischen Säugetierart sei seit längerem rückläufig, berichteten der Landesjagdverband Hessen und Wildbiologe Gerald Reiner von der Universität Gießen am Samstag im mittelhessischen Alsfeld bei der Präsentation einer Untersuchung. Die Rothirsche seien weniger widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse und Krankheiten. Da sich die Tiere oft nur noch innerhalb einer Teilpopulation paaren können, komme es zu Inzuchtproblemen. Bereits dokumentiert seien Missbildungen, etwa eine Verkürzung des Unterkiefers.

Aktuell seien die Populationen durch Barrieren wie Autobahnen, Bundesstraßen und Siedlungen in vollständig isolierte, inselartige Vorkommen aufgeteilt, berichtete Reiner. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises für Wildbiologie an der Universität Gießen. Seinen Worten zufolge ist es "bereits 5 nach 12" - und damit höchste Zeit, Maßnahmen zur Verbesserung der genetischen Vielfalt und der Biodiversität insgesamt zu ergreifen.