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Technik - Mainz

Mainz plant Betrieb mit autonom fahrendem Bus

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Mainz (dpa/lrs) - Nach einem Test im vergangenen Jahr plant die Stadt Mainz einen Regelbetrieb mit autonom fahrenden Kleinbussen. Drei Fahrzeuge sollten gekauft werden, kündigte die Geschäftsführerin der Mainzer Verkehrsgesellschaft, Eva Kreienkamp, am Montag am Rande einer Veranstaltung zum Thema autonomes Fahren in Mainz an. Derzeit werde nach geeigneten Einsatzgebieten gesucht, im Frühjahr 2020 solle es in den Regelbetrieb gehen. Vermutlich würden die Busse in noch nicht so gut an den Nahverkehr angebundenen Gegenden fahren oder als Zubringer dienen. Denkbar sei eine Strecke im Zollhafen, wo ein Wohngebiet entsteht, oder Fahrten nach Bedarf - "on demand" genannt.

Mainz hatte im vergangenen Jahr den autonom fahrenden Kleinbus "Emma" des französischen Herstellers Navya entlang des Rheinufers getestet. Mehrere Tausend Menschen fuhren damit. Bei dem gemeinsamen Projekt von Mainzer Verkehrsgesellschaft und R+V Versicherung sollte herausgefunden werden, wie sich Passagiere an Bord fühlen und wie Fußgänger und Radfahrer auf solche Gefährte reagieren.

Für die vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium organisierte Fachveranstaltung in Mainz kehrte "Emma" zurück in die Stadt - genauer gesagt an die Arena des Fußball-Bundesligisten Mainz 05. Auch Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) stieg an Bord und drehte eine Runde. Sein Fazit: "Man fühlt sich sicher."

Die rheinland-pfälzischen Grünen sehen im autonomen Fahren gar eine Chance, den öffentlichen Nahverkehr zu revolutionieren. Neue autonome und lernende Systeme machten effizientes Fahren in Stadt und Land auf möglich, zum Beispiel in Form gemeinsam genutzter Shuttles, die auf Nachfrage angefordert werden könnten und auf intelligent gewählten Routen unterwegs seien, sagte der Fraktionsvorsitzende Bernhard Braun. "Je mehr Menschen solche Möglichkeiten nutzen können, desto leichter kann der individuelle Verzicht aufs Auto fallen." Das sei eine große Chance für "autoverstopfte Städte" und könnte den ländlichen Raum besser anbinden.

Die grüne Landtagsfraktion hat kürzlich mit grünen Fraktionen aus anderen Bundesländern ein Gutachten zum Thema "autonomes Fahren im öffentlichen Verkehr" erstellen lassen. Darin heißt es unter anderem, noch immer ziele vieles auf die Förderung und Stützung des privaten Automobils ab. "Mittlerweile haben sich die Lebens- und Arbeitsformen, aber auch die Werteorientierungen verschoben, ohne dass sich dies beispielsweise in der Aufteilung des öffentlichen Raumes bemerkbar machen konnte."

Dabei könnten gerade On-Demand-Verkehre, automatisierte Shuttles und autonome Fahrzeugflotten die Grundordnung der Verkehrslandschaft ändern, schreiben die Wissenschaftler. Allerdings müssten solche Systeme politisch ermöglicht werden, dazu passten die derzeitigen gesetzlichen Grundlagen nicht. Die Struktur des öffentlichen Verkehrs müsse sich deutlich verändert. Allerdings lasse sich das mit der "augenblicklichen Verfasstheit und Finanzierungsstruktur des Öffentlichen Verkehrs in Deutschland" nicht umsetzen. Es müssten unter anderem auf Landesebene die ÖPNV-Gesetze angepasst werden für mehr Handlungsspielraum für die Verkehrsbetreiber und um die Aufgabenträger des ÖPNV zu stärken. In Rheinland-Pfalz arbeitet das Verkehrsministerium gerade an einer Neuauflage des Gesetzes.

Auf der Mainzer Fachveranstaltung waren neben "Emma" noch weitere Studien und Projekte zum Thema autonomes Fahren von Unternehmen zu sehen, die im Land angesiedelt sind. Ein Beispiel war ein Unimog von Daimler, der einmal autonom im Gelände unterwegs sein soll. Der "Offroad-Bereich" biete Vorteile, weil er weniger reglementiert sei, aber auch Nachteile, weil das Gelände genau erfasst und Hindernisse sicher erkannt werden müssten, erläuterte Achim Vogt, verantwortlich für die Entwicklung von Sonderfahrzeugen im Daimler-Werk in Wörth, dem weltweit größten Lkw-Montagewerk. Ziel sei, fahrerlos tonnenschweres Material an gefährliche Orte beispielsweise bei Waldbränden oder Chemieunfällen bringen zu können.

BASF arbeitet indes an einem vollautomatischen, ebenfalls fahrerlosen Transportsystem auf Rädern, mit dem der Chemieriese auf seinem Firmengelände in Ludwigshafen Tankcontainer bewegen will. Zu sehen war auch eine elektrische Landmaschine des Herstellers John Deere. Sie rollt beim Betrieb automatisch ein Kabel für die Stromzufuhr ein und aus, ist wesentlich leichter als eine herkömmliche Maschine der Art mit Dieselantrieb. Das sei wichtig, um den Boden nicht zu sehr zu verdichten, lobte Wissing, der auch Agrarminister ist. John Deere hat in Kaiserslautern ein Innovationszentrum für solche Projekte.

Für den Weinbauminister Wissing war auch eine für Winzer gedachte halbautomatisierte Maschine der Firma Robot Makers, einer Ausgründung aus der Technischen Universität Kaiserslautern, interessant. Ein Spurführungssystem soll sie künftig selbstständig bei der Arbeit in der Rebgasse lenken. Die Arbeitsgeräte passen ihre Breite dank Sensoren an die Breite der Gasse an, der Fahrer muss die Maschine nur noch dorthin steuern und den automatischen Betrieb starten. Dem Hersteller zufolge sind bei der Arbeit mit dem Gerät bis zu zehn Stundenkilometer möglich, die Hektarleistung steigt also.

Wissing sagte, Rheinland-Pfalz sei beim autonomen Fahren schon jetzt ein starker Standort - insbesondere bei Nutzfahrzeugen. Hier sei autonomes Fahren schon Realität, während es bei Autos noch Jahre dauern dürfte. "Nutzfahrzeuge sind Vorreiter." Da die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz stark vom Mittelstand und von kleineren Betrieben geprägt sei, soll Wissing zufolge künftig eine Lotsenstelle des Landes unter anderem bei der Genehmigung von Tests für autonomes Fahren helfen. Genehmigungsverfahren seien für kleine Firmen oft eine Hürde, dort werde jede Arbeitskraft für Innovationen gebraucht.