bedeckt München 18°

Klima - Berlin

Schulstreiks fürs Klima: Mehr Erwachsene schließen sich an

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Berlin (dpa/bb) - Ärzte, Wissenschaftler und Aktivisten: Immer mehr Gruppen schließen sich den mittlerweile globalen "Fridays for Future"-Demonstrationen an. An dem Streik am Freitag in Berlin nahmen laut Polizei 15 000 bis 20 000 Menschen teil, die Veranstalter sprachen von rund 25 000 Teilnehmern. Im Zuge der Bewegung streiken Schüler seit Wochen jeden Freitag für mehr Engagement der Politik zum Schutz von Klima und Umwelt. In der Hauptstadt war erkennbar, dass die Unterstützung in der Bevölkerung dafür wächst.

Zu Beginn der Veranstaltung im Invalidenpark überreichte die Gruppe "Scientists for Future" den Schülern eine Stellungnahme, in der sie die Klimabewegung unterstützen - unterzeichnet von rund 23 000 Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der akademische Direktor am Museum für Naturkunde Berlin, Gregor Hagedorn, ist Teil der Gruppe und zeigte sich vom Engagement der Schüler angetan. "Wir Erwachsenen würden den Mut vermutlich nicht aufbringen, weil wir sonst gefeuert werden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Demonstration.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) betonte auf Nachfrage erneut, dass für die Jugendlichen die Schulpflicht gelte. Dafür gab es auf der Demonstration wenig Verständnis. Eine Frau, die angab Referendarin an einer Berliner Schule zu sein und die ihren vollen Namen aus Angst vor Konsequenzen nicht nennen wollte, sagte, dass die Schüler auf der Straße mehr lernen als im Klassenzimmer: "Hier lernen sie direkt, wie politische Bewegungen funktionieren." Daniela Paul war zusammen mit ihren Kindern bei der Demonstration und sieht in dem verpassten Unterricht kein Problem: "Die haben schon was gelernt in der Schule, und zwar das Denken."

Zuspruch erhielten die Schüler bei der Demonstration auch von diversen Ärzten, die mit weißen Kitteln unterwegs waren. Ludwig Brügmann ist Teil der "Doctors for Future", wie sich die Gruppe selbst nennt: "Ich mache das für meine Kinder und Enkelkinder", sagte der ehemalige Chefarzt. Als Ärzte müssten sie auch etwas gegen den Klimawandel tun, da sie mit den Folgen für Menschen umgehen müssen.

Diverse Aktivisten aus der Zivilgesellschaft unterstützen ebenfalls den Schülerstreik in Berlin. Die Gruppe "Berlin-Vegan" will zum Beispiel eine Verbindung zwischen der wachsenden Zahl von Veganern mit der Klimabewegung herstellen. Die gegen fossile Energieträger gerichtete Kampagne "Fossil Free Berlin" will ebenfalls die Schülerstreiks stärken und wünscht sich, dass deutsche Gewerkschaften Stellung zu dem Thema beziehen. "Es ist jetzt Zeit, dass wir das Anliegen der Jugendlichen unterstützen", sagte Mathias von Gemmingen, Sprecher der Kampagne.

Die Streiks gehen auf die 16-jährige schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg zurück. Statt zur Schule zu gehen, demonstriert sie seit August 2018 freitags unter dem Motto "Schulstreik fürs Klima" vor dem Reichstag in Stockholm. Ihr Engagement wurde weltweit bekannt. Für diese Woche waren die bislang umfangreichsten Proteste geplant. Rund um den Globus waren mehr als 2000 Kundgebungen und Schülerstreiks in mehr als 120 Staaten angekündigt, hierzulande rund 200. In Berlin startete die Demo im Invalidenpark und zog dann vor das Bundeskanzleramt. Von dort ging es wieder zurück zum Park.