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Geschichte - Hamburg

Hamburg erinnert mit Ausstellung an "Sülze-Unruhen" von 1919

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Hamburg (dpa) - Mit einer Ausstellung im Hamburger Rathaus erinnern der Senat und die Verbraucherzentrale an die sogenannten Sülze-Unruhen vor 100 Jahren. In der von Not und Aufständen geprägten Zeit nach dem Ersten Weltkrieg hatte ein Lebensmittelskandal zu einem Gewaltausbruch in der Hansestadt geführt.

Nach Gerüchten über die Verarbeitung von Hunden, Katzen und Ratten zu Sülze stürmte eine Menschenmenge am 23. Juni 1919 eine Fleischfabrik. Die Aufständischen misshandelten den Fabrikanten und warfen ihn in die Alster. Als die Ordnungskräfte des ersten demokratisch gewählten Hamburger Senats gegen Lynchversuche und Plünderungen einschritten, wurden sie angegriffen. Schließlich schickte die Reichsregierung 10 000 Soldaten. Nach Angaben von Historikern starben bei den Unruhen mehr als 80 Menschen.

Die Verbraucherzentrale sieht die Ereignisse als Hamburgs ersten "Gammelfleischskandal". Die Einrichtung führt ihre eigene Gründungsgeschichte auf die Unruhen zurück, in deren Folge die Lebensmittelgesetze verschärft wurden.

Die Ausstellung wird am 20. Juni mit einem Senatsempfang eröffnet und ist bis zum 4. Juli in der Rathausdiele zu sehen.