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Geschichte - Berlin

Neuer Direktor für zentrale Stasiopfer-Gedenkstätte

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Berlin (dpa) - Nach monatelanger Suche bekommt die zentrale Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin einen neuen Direktor. Der Historiker und Politikwissenschaftler Helge Heidemeyer übernimmt im Herbst den Posten, wie die Senatsverwaltung für Kultur am Montag mitteilte. Mit dem 56-Jährigen solle ein dringender Kulturwandel in der Gedenkstätte gelingen, sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke).

Der langjährige Leiter Hubertus Knabe war im Vorjahr abberufen worden. Ihm war vorgeworfen worden, nicht konsequent gegen sexuelle Belästigungen von Frauen in der Gedenkstätte vorgegangen zu sein. Der juristische Streit um seinen Rauswurf war mit einem Vergleich beendet worden.

Heidemeyer arbeitet laut Angaben seit 2008 in der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen und leitet die Abteilung Bildung und Forschung. Die Behörde wollte die Personalie am Montag nicht kommentieren. Heidemeyer werde die nächsten Wochen zunächst nutzen, um sich vorzubereiten und mit Mitarbeitern der Gedenkstätte zu sprechen, hieß es.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte laut Mitteilung, das einhellige Votum der Findungskommission sei ein Vertrauensbeweis in eine Persönlichkeit, die sich seit Jahren konsequent für die wissenschaftliche Aufarbeitung des SED-Unrechts einsetze. Hohenschönhausen solle auch in Zukunft ein authentischer Ort sein, an dem sich Menschen über das DDR-Unrecht informieren können.

Laut Mitteilung wurde Heidemeyer aus 30 Bewerbern ausgewählt. Der Beschluss des Stiftungsrates, dessen Vorsitzender Lederer ist, fiel demnach einstimmig. Der 56-Jährige löst Interims-Direktor Jörg Arndt ab.

Der frühere Stellvertreter von Knabe, der ebenfalls geschasst worden war, klagt noch gegen seine Kündigung. Das Arbeitsgericht in der Hauptstadt verhandelt seine Klage am 7. Oktober.

Vor rund einem Jahr hatten Mitarbeiterinnen, Praktikantinnen und Volontärinnen der Einrichtung in einem Brief an Grütters und Lederer übergriffiges Verhalten von Vorgesetzten beklagt und damit einen Stein ins Rollen gebracht.

Die Gedenkstätte in Hohenschönhausen ging aus dem früheren, zentralen Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit hervor. Sie ist eine Stiftung, die vom Land Berlin und dem Bund finanziert wird. In dem Gefängnis waren von 1951 bis 1989 mehr als 11 000 Menschen eingesperrt, darunter Oppositionelle wie Bärbel Bohley oder Jürgen Fuchs. Im Vorjahr kamen laut Kulturverwaltung etwa 470 000 Besucher.