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Geschichte - Berlin

Enkelin empört über neue Stauffenberg-Biografie

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Berlin (dpa) - Mit Empörung hat eine Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf die Veröffentlichung eines neuen Buches reagiert, das die Motivation des gescheiterten Hitler-Attentäters neu beurteilt. Sophie Freifrau von Bechtolsheim sagte am Dienstag in Berlin, Thomas Karlauf habe ihrem Großvater in der Biografie "Stauffenberg. Porträt eines Attentäters" zu Unrecht "jede Moralität" abgesprochen. Der Autor leugne in seinem Buch, dass die Entscheidung zum Tyrannenmord von den Verschwörern damals aus Gewissensgründen getroffen worden sei.

Stauffenberg hatte am 20. Juli 1944 versucht, Diktator Adolf Hitler mit einem Sprengsatz zu töten. Das Attentat misslang. Oberst Stauffenberg und Dutzende Mitwisser wurden hingerichtet. In Karlaus Biografie heißt es, die maßgeblichen Stauffenberg-Biografen hätten "aus Sorge, den Helden zu beschädigen", "Zeugnisse, die seine direkte und indirekte Zustimmung zur Politik und Kriegführung Hitlers" in den ersten Jahren der Nazi-Herrschaft belegten, nicht ausreichend gewürdigt. Die Stauffenberg-Enkelin bekundete ihren Unmut bei der Vorstellung einer neuen Auswahl von Auszügen aus den Lebenserinnerungen des Hitler-Gegners Paulus van Husen.

Der Jurist van Husen gehörte damals einem Kreis an, der in Kontakt mit den Verschwörern des 20. Juli stand. Er und andere Mitglieder des "Kreisauer Kreises" wurden von der Gestapo verhaftet. Nach dem Krieg gehörte van Husen zu den Mitbegründern der CDU. Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte: "Ohne das geistige Gut des "Kreisauer Kreises" gäbe es die CDU nicht."

Ein Teil der Erinnerung van Husens war bereits früher veröffentlicht worden. Eine neue Auswahl, die diese Woche unter dem Titel "Als der Wagen nicht kam. Eine wahre Geschichte aus dem Widerstand" im Herder-Verlag erscheint, hat der Theologe und Bestsellerautor Manfred Lütz herausgegeben, ein Großneffe van Husens. Lütz berichtete, sein 1971 gestorbener Großonkel habe seine Lebenserinnerungen in einem Schrank seines Hauses verstaut und mit dem Vermerk versehen, der Inhalt dürfe erst nach seinem Tod veröffentlicht werden. Es sei ihm also keineswegs darum gegangen, sich oder andere zu Lebzeiten durch eine verklärte Darstellung des Widerstandes in ein besseres Licht zu rücken.