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Forschung - Mainz

Kein Beleg für Bischofsbeisetzung in Mainzer Johanniskirche

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Mainz (dpa/lrs) - Mehr als eine Woche nach Öffnung eines etwa tausend Jahre alten Sarkophags in der Mainzer Johanniskirche haben die Forscher noch keinen Beleg dafür gefunden, dass es sich bei dem Toten um einen Bischof handelt. Die Identifizierung des Toten sei weiter offen, teilte Forschungsleiter Guido Faccani am Donnerstag mit. Es sei ausgeschlossen, dass die am Kopf gefundene Goldborte zu einer Mitra gehörte, also einer bischöflichen Kopfbedeckung.

Die ersten Untersuchungen ergaben nach Angaben Faccanis, dass der Tote mindestens 1,75 Meter groß war und im Alter zwischen 40 und 60 Jahren verstarb. Die Forscher fanden Reste einer Kasel, eines liturgischen Gewands, die Schuhe des Toten bestehen aus Ziegenleder. Noch nicht abgeschlossen sind Analysen zum Sterbezeitpunkt, eine DNA-Untersuchung sowie die Erforschung von Stoffen, organischen Materialien und Metallen. Diese werden noch einige Wochen dauern.

Die Forscher fanden heraus, dass der aus rotem Sandstein gefertigte Sarkophag wiederverwendet wurde, also nicht für den bestatteten Kleriker neu gefertigt worden war. Außerdem wurde der in die Kirche transportierte, etwa zwei Tonnen schwere Sarg aus Stein falsch ausgerichtet in die ausgeschachtete Grube gelassen. Nachdem der Fehler bemerkt worden war, wurde der Sarkophag umgestaltet und so für den Verstorbenen hergerichtet, dass der Tote nach Osten ausgerichtet werden konnte.

Die Forscher hatten vermutet, dass es sich bei ihm um den 1021 gestorbenen Mainzer Erzbischof Erkanbald handeln könnte. Damit wäre der Nachweis gelungen, dass St. Johannis der "Alte Dom" von Mainz war - also die erste Kathedrale vor dem später erbauten heutigen Dom, der seit 1036 Bischofssitz ist.