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Archäologie - Speyer

Reisemöbel der Spätantike: Museum präsentiert Prachtstuhl

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Speyer (dpa/lrs) - Fast sechs Jahre nach dem Fund des spektakulären "Barbarenschatzes von Rülzheim" in der Pfalz haben Experten neue Erkenntnisse über einen Klappstuhl aus der Spätantike gewonnen. Das im Mai 2013 aus der Erde geborgene Objekt sei wohl ein exklusives Reisemöbel einer unbekannten Frau der gesellschaftlichen Elite, teilte das Historische Museum der Pfalz in Speyer mit. Es handele sich um ein absolutes Unikat. Weltweit sei kein weiterer Stuhl dieser Art erhalten, er sei nur von antiken Abbildungen bekannt gewesen.

Das Museum in Speyer zeigt den teilvergoldeten und mit Silberfolie überzogenen Prachtstuhl vom (heutigen) Dienstag an zehn Wochen lang als Teil der Ausstellung "Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike". Am (heutigen) Dienstag präsentieren Experten der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz und des Historischen Museums der Pfalz in Speyer weitere Erkenntnisse über den römischen Stuhl (14.30 Uhr).

Es sei gelungen, Erstaunliches ans Licht zu bringen, hieß es. Demnach kamen sowohl neue Aussagen über einen möglichen Herstellungsort als auch die zeitliche Einordnung des Objekts zum Vorschein. Details wollten die Forscher nicht vor dem Nachmittag mitteilen.

Der Prachtstuhl zählt zum "Barbarenschatz von Rülzheim", einem Fundkomplex aus der späten Römischen Kaiserzeit. Dieser umfasst auch goldene Gewandapplikationen sowie Silberobjekte und fein ausgearbeitete Büsten und Statuetten. Der aus mehr als 100 Stücken bestehende Fund war über Umwege in die Hände der Archäologen gelangt.

Das Museum präsentiert nur den Klappstuhl, nicht den gesamten Schatz.

Ein Sondengänger hatte den Schatz im Mai 2013 bei einer Suche in einem Wald bei Rülzheim (Südpfalz) gefunden und zunächst behalten - angeblich wollte er klären, was er aufgespürt hatte. Als ihm nach sieben Monaten die Entdeckung drohte, lieferte er den Fund ab. Dem rheinland-pfälzischen Denkmalschutzgesetz zufolge wird ein Schatz Eigentum des Landes, wenn er von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung ist. Experten beklagten damals eine unsachgemäße Bergung, durch die Schäden an Objekten und der Fundstelle entstanden seien. Die private Lagerung habe zudem den Verfallsprozesses beschleunigt.

Bei einer der Restaurierungen hatten Forscher einen Olivenkern entdeckt - er soll einer Analyse zufolge mehr als 1600 Jahre alt sein. Auf einen Eisenstab des Stuhls war mit Kitt eine kleine Büste geklebt. In der Klebemasse saßen der Kern und Pflanzenreste. Die Forscher erhoffen sich davon Hinweise, wo der Stuhl gebaut wurde.

Zwar ist der Stuhl römischer Herkunft. Archäologen halten es aber für möglich, dass der Schatz einer Persönlichkeit aus der Herrschaftsschicht des hunnisch-ostgermanischen Raums gehörte, die zumindest zeitweise in den Diensten Roms stand oder ein Verbündeter des Imperiums war. Auf Reiterkulturen östlicher Steppenvölker wie Hunnen und Alanen weist eine massive Silberschale mit eingearbeiteten Halbedelsteinen und einer Ringöse am hinteren Ende hin - zur Befestigung am Pferdesattel. Ferner fanden sich 84 Goldapplikationen, die nach Einschätzung von Experten ursprünglich das Prachtgewand eines Herrschers aus dem hunnisch-ostgermanischen Raum zierten.