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Verkehr

Teststrecke für Elektro-Lastwagen vor Fertigstellung

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Darmstadt (dpa/lhe) - Die Arbeiten an der ersten deutschen Teststrecke für E-Lastwagen mit Oberleitung sollen noch im November beendet werden. Dann könnten die Abnahmefahrten beginnen, also geprüft werden, ob alles funktioniere, sagte Frauke Werner, Sprecherin der Verkehrsbehörde Hessen Mobil. Der Feldversuch des Projekts "ELISA" (Elektrifizierter, innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen) auf der stark befahrenen Autobahn 5 zwischen Frankfurt, Flughafen und Darmstadt, werde wie geplant 2019 beginnen.

Mit der von Siemens gebauten Anlage kann laut Hessen Mobil erstmals in Deutschland unter realen Bedingungen getestet werden, wie sich Oberleitungs-Hybrid-Lkw im Zusammenspiel mit den anderen Fahrzeugen in den Verkehr integrieren. Nach Einschätzung von Experten werden die Lastwagen durch das Aufladen während der Fahrt etwa 10 bis 15 Kilometer weiter fahren können.

Der Feldversuch soll dazu beitragen, die Klimaschutzziele der Bundesrepublik zu erreichen. Elektrisch oder teilweise elektrisch betriebene Lastwagen und Busse können nach Einschätzung von Fachleuten einen erheblichen Beitrag zur Minderung von CO2 und Feinstaub leisten. Der Bund fördert die Planung und den Bau des Projekts in Hessen mit 14,6 Millionen Euro. Auch in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg sind Feldversuche geplant, deren Umsetzung dauert allerdings noch etwas länger. Auf jeder Strecke sollen fünf Fahrzeuge fahren, die EU-weite Ausschreibung dafür läuft gerade.

An der Autobahn 5 wird in der laufenden Woche eine Betonschutzwand zwischen den rund 230 Masten mit den Stromabnehmern und der Fahrbahn errichtet. Sie erstreckt sich in beiden Fahrtrichtungen jeweils auf der gesamten Länge von rund fünf Kilometern. In Richtung Darmstadt würden derzeit die letzten Arbeiten an Oberleitungen abgeschlossen. In der nächsten Woche stünden dann noch vereinzelte Restarbeiten und Kleinigkeiten an, sagte Werner.

Die Einführungsphase des Feldversuchs soll etwa bis Mitte des kommenden Jahres gehen. Mit mehreren Fahrzeugen sollen die Betriebsführung erprobt sowie Spediteure und Fahrer mit der Technologie der Oberleitungs-Hybrid-Lkw vertraut gemacht werden. Ab Mitte nächsten Jahres soll dann der Betrieb von Speditionen mit fünf Fahrzeugen getestet werden. Ende des Feldversuchs ist voraussichtlich 2022.

Das System erlaube den Einsatz unterschiedlicher Antriebskonzepte, rein elektrische, Hybridfahrzeuge mit Diesel, Bio-Diesel, Gas, Batterien oder Brennstoffzellen, heißt es bei Siemens. So könnten Fahrzeuge während der Fahrt etwa ihre Batterien laden.

Die Lkw sollen bei laufender Fahrt über Sensoren die Leitungen über sich erkennen und andocken, ohne langsamer zu werden. Der Stromabnehmer wird ausgefahren und durch Druck von unten an die Leitung gekoppelt. Die Laster können während der Fahrt auch die Spur wechseln und dabei abdocken. Denn die Anlage funktioniert nur auf der rechten von vier Fahrspuren.