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Verkehr

Streit um Stau: Österreich will Verkehr über Bayern umleiten

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Salzburg/Berchtesgaden (dpa) - Dicke Luft im Grenzgebiet: Staus und Ausweichverkehr wegen der deutschen Kontrollen am Walserberg bei der Einreise aus Österreich sorgen für Ärger zwischen den Nachbarn. Um die eigenen Orte zu entlasten, will die Salzburger Landesregierung bei größeren Rückstaus im Urlaubsverkehr verstärkt die Autos von der Autobahnabfahrt Salzburg Süd über bayerische Orte lenken. Der Weg über Marktschellenberg und Berchtesgaden und weiter über Bad Reichenhall oder Inzell solle als "Hauptausweichroute" ausgewiesen werden, kündigte die Landesregierung an. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

Bürgermeister aus den betroffenen Orten kritisierten das Vorgehen, die bayerische Staatsregierung mahnte: "Ich kann nur raten einen kühlen Kopf zu bewahren und kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen", sagte Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) am Mittwoch.

Die Salzburger hatten Verzögerungen beim Bau einer dritten Spur bei den Grenzkontrollen als Grund für ihre drastischen Maßnahmen genannt. Die dritte Spur sei von deutscher Seite zwar zugesagt, eine Umsetzung noch vor dem Sommer sei aber nicht mehr realistisch.

Das wies Reichhart zurück. Es gebe nun die Finanzierungszusage des Bundes. Noch im Sommer könnten die Baumaßnahmen beginnen. "Die dritte Spur wird also gebaut und noch in diesem Jahr fertig gestellt. Damit erreichen wir schnellere Kontrollen und einen besseren Verkehrsablauf mit weniger Stau. Das entlastet auch die umliegenden Ortschaften, die oftmals den Ausweichverkehr zu spüren bekamen", sagte Reichhart.

Die Österreicher kritisierten hingegen, die Deutschen hätten zu viel Zeit verstreichen lassen, bis die Aufträge erteilt wurden. "Ich bin verärgert über das lange Zuwarten", sagte Landesrat Stefan Schnöll. "Die vielen Stau-Umfahrer haben die Situation in unseren Gemeinden im letzten Jahr massiv beeinträchtigt. Dagegen werden wir heuer mit allen Mitteln vorgehen."

Der Marktschellenberger Bürgermeister Franz Halmich (Freie Wähler) sagte, Umleitungen durch die Österreicher seien nicht neu. Schon in den vergangenen Jahren hätten an den Nebenstrecken österreichische Polizeibeamte oder Sicherheitsordner gestanden und teils nur einheimische Autos durchgelassen. "Ich würde sie sofort wieder zurückschicken, wenn das ginge. Aber das geht in Deutschland nicht."

Halmich sorgt sich nun um das Label "heilklimatischer Kurort", das seine Gemeinde wie andere Orte im Berchtesgadener Talkessel tragen und das eine bestimmte Luftqualität erfordert. "Das sehe ich gefährdet." Die Österreicher hätten ihr Vorgehen nicht einmal mit den bayerischen Nachbarn abgestimmt. "Ich sehe es auch sehr kritisch, wenn man selbst ein Urlaubsland ist, das von den Urlaubern lebt - aber dann den Reiseverkehr der Urlauber nicht haben will."