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Was die Hitze für Sachsen-Anhalt heißt

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Halle/Wernigerode/Drewitz (dpa/sa) - Hoch "Ulla" ist da und hat Sachsen-Anhalt rekordverdächtige Aussichten mitgebracht: Am Mittwoch könnte Meteorologen zufolge nicht nur der heißeste Tag des bisherigen Jahres sein - sondern auch ein Fall für die Geschichtsbücher. Während sich Touristenattraktionen und Badbetreiber auf die Temperaturen weit über 30 Grad Celsius freuen, sorgen sie bei den Straßenbehörden im Süden des Landes eher für Sorgenfalten.

DIE TEMPERATUREN: Einen Allzeit-Topwert hat Hoch "Ulla" für Sachsen-Anhalt wahrscheinlich nicht im Gepäck, sagt der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Sebastian Balders. Aber für einen neuen Juni-Rekord könnte es reichen. Den hält im Moment Drewitz im Jerichower Land, wo am 21. Juni 2000 schon einmal 37 Grad Celsius gemessen wurden. "Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass das am Mittwoch geknackt wird", sagt Balders.

Verbreitet werde es recht heiß, weit über 30 Grad Celsius. Welcher Ort den Sprung ins Geschichtsbuch schafft, ist schwer vorherzusagen. Gute Karten haben die Altmark und Bernburg. Letztere Stadt hält auch den Allzeit-Rekord: Vorigen Juli wurden hier 39,5 Grad gemessen.

DER BROCKEN: Auch der höchste Berg im Norden Deutschlands könnte laut DWD einen neuen Wärmerekord für Juni aufstellen. Dafür müsste das Thermometer auf dem Brocken über die Marke von 26,1 Grad springen, die vor sechs Jahren gemessen wurde. Am 20 August 2012 war es auf dem Berg im Harz sogar schon einmal 29 Grad Celsius warm. Die Touristiker freut es: "Wir freuen uns immer über schönes Wetter, denn das bringt uns hohe Fahrgastzahlen", sagt etwa der Sprecher der Harzer Schmalspurbahnen, Dirk Bahnsen.

Für die Beschäftigten des Traditionsbetriebs sind die Temperaturen aber auch eine besondere Belastung. Im Führerhaus der Dampflok herrschen gern mal 40 bis 50 Grad Celsius, so Bahnsen. Auch in der Werkstatt ist es heiß und dazu kommt die körperliche Arbeit. "Wir verteilen daher zusätzliche Getränke an unsere Mitarbeiter."

APROPOS VERKEHR: Für Autofahrer im Süden Sachsen-Anhalts bedeuten die anhaltend hohen Temperaturen Einschränkungen. Die Behörden richteten auf mehreren Abschnitten der Autobahnen 9 und 38 neue Tempolimits ein. Hintergrund: Auf den betroffenen Abschnitten ist der Beton schwer beschädigt, entweder durch Betonkrebs oder schier durch jahrzehntelange Benutzung. Bleibt es lange heiß, droht die Fahrbahn abrupt aufzubrechen. Je schneller Fahrzeuge unterwegs sind, desto eher drohen bei sich plötzlich hebenden Fahrbahnen schwere Unfälle.

Daher gilt bis auf Weiteres Tempolimit 120 auf der A9 zwischen dem Schkeuditzer Kreuz und Halle. Sogar auf 100 Kilometer pro Stunde müssen Autofahrer auf der A9 in Richtung München zwischen Naumburg und Droyßig sowie rund um Weißenfels runterbremsen. Das gleiche gilt für die A38 zwischen Merseburg-Süd und Merseburg-Nord in beide Richtungen sowie zwischen Lützen und der Grenze zu Sachsen.

DIE ABKÜHLUNG: Gegen Schwitzen hilft kaum etwas besser als ein Sprung ins kühle Nass. Die Freibäder rüsten sich daher für die nächsten Tage auf einen Ansturm ein. "Wir rechnen damit, dass wir spätestens am Mittwoch aus allen Nähten platzen", sagt etwa der Betreiber des Heidebads in Halle, Mathias Nobel. Dafür bleibt das Bad am Heidesee lange auf: Schon ab 07.30 Uhr morgens seien die ersten Gäste da, um sich vor der Arbeit abzukühlen. Abends sei bei Hochsommertemperaturen selten vor 21 Uhr Schluss. "Wir schicken keinen weg." Der See biete derzeit mit 24 Grad Celsius optimale Abkühlungstemperatur. "Viel wärmer wird er auch nicht", verspricht Nobel. Ähnliche Badetemperaturen meldet derzeit auch der Arendsee in der Altmark.

DER VERBRAUCH: Auch Ventilatoren und Klimaanlagen laufen bei den hochsommerlichen Temperaturen in vielen Büros und Wohnungen auf Hochtouren. Für Spitzen beim Stromverbrauch sorgt das nach Angaben der Stadtwerke Halle aber eher nicht. "Der Mehrverbrauch an Energie durch Klimaanlage, Ventilator und Co. ist bei uns nicht so sehr spürbar", sagte eine Sprecherin.

Am Wasserzähler merken die Stadtwerke das Sommerwetter hingegen schon: "Wir rechnen damit, dass in diesen Tagen der Trinkwasserverbrauch stark steigt." Das zeichnete sich schon im bisher überwiegend warmen Juni ab: Bis zum 18. des Monats zapften die Hallenser im Schnitt 36 700 Kubikmeter Wasser pro Tag ab. Im Mai waren es gut 4000 Kubikmeter weniger. Wassersparen muss aber niemand: Die Versorgung ist über die gut gefüllte und knapp 120 Kilometer entfernte Rappbodetalsperre gesichert, hieß es.