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Verkehr - Frankfurt am Main

Erste E-Bus-Linie in Frankfurt: Wasserstoff kommt 2019

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Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Frankfurt steht vor einem Dilemma: Die Stadt muss den öffentlichen Personennahverkehr ausbauen. Egal, ob sie nun im kommenden Jahr Fahrverbote umsetzen und für die Menschen eine Alternative schaffen muss. Oder ob sie versucht, die Schadstoffbelastung kurzfristig zu senken um Fahrverbote doch noch abzuwenden. An mehr ÖPNV führt kein Weg vorbei. Der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, Knut Ringat, rechnet bis 2030 mit einem Drittel mehr Fahrgästen im Verbund.

Das Problem ist nur, dass das nicht so schnell zu machen ist. Der Ausbau des Schienenverkehrs geht nicht von heute auf morgen. Das einzige, was man schnell aufstocken könnte, sind Busse. Aber gerade die haben einen großen Haken: Sie fahren mit Diesel. 370 Busse sind nach Angaben der städtischen Nahverkehrsgesellschaft traffiQ aktuell in der Mainmetropole unterwegs. 15 bis 20 Prozent aller ÖPNV-Fahrten in Frankfurt übernehmen Busse.

Die Fahrzeuge gehören vier großen Busunternehmen, die im Auftrag der Stadt unterwegs sind. Die In-der-City-Bus GmbH (ICB) ist für die Linie 75 zuständig, welche die Uni-Standorte Bockenheim und Campus Westend verbindet. Mit dem Fahrplanwechsel am Wochenende fahren auf der Linie 75 ausschließlich Elektrobusse. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) lobte im November die "erste 100 Prozent elektrische Buslinie Hessens". Hessens erster E-Bus im öffentlichen Personennahverkehr fährt schon seit 8. Oktober durch Fulda.

Die knallbunt beklebten "Stromer" schaffen gerade mal 150 Kilometer, dann müssen sie zum Aufladen in den Betriebshof. 1,9 Millionen Euro hat die ICB nach eigenen Angaben in die fünf Busse und ihre Ladeinfrastruktur investiert. Das Land Hessen steuerte etwas über 760 000 Euro bei. Insgesamt stellt das Verkehrsministerium jährlich fünf Millionen Euro Fördermittel bereit, um hessische Busunternehmen beim Umrüsten auf E-Mobilität zu unterstützen.

"Wenn wir den ganzen Frankfurter Busverkehr auf Strom oder Wasserstoff umrüsten, würde das 160, 170 Millionen kosten", schätzt der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). "Das ist schon eine Hausnummer". Ein normaler Diesel-Bus kostet ihm zufolge um die 250 000 Euro, ein E-Bus mindestens das doppelte. Dazu kommen Kosten für die Ladestationen, die erstmal im Stadtgebiet aufgestellt werden müssten - für längere Linien würde es nicht ausreichen, wenn sie nur nachts im Depot Strom tanken könnten.

Außerdem ist die Beschaffung schwierig. Die fünf neuen Strom-Busse musste die Stadt in Polen bestellen, "weil deutsche Hersteller nicht in der Lage waren, ein Angebot zu machen", wie Oesterling sagt. Weitere Bestellungen wurden bisher nicht aufgegeben - die beim Bund beantragten Fördermittel seien nicht bewilligt worden, hieß es zur Begründung. Im Sommer 2019 sollen jetzt erstmal drei Busse nach Frankfurt geliefert werden, die mit Wasserstoffe betrieben werden.

Teuer, aufwändig, nicht verfügbar, unklare Förderung - bis der komplette Busverkehr in Frankfurt mit Strom oder Wasserstoff fährt, dürfte es noch dauern. "Realistisch" sei das vielleicht bis 2030 machbar, sagt Oesterling. Neben Frankfurt und Fulda stehen auch Wiesbaden, Darmstadt und Kassel in den Startlöchern. Die Landeshauptstadt wollte gleich über 200 E-Busse auf einen Schlag anschaffen - aber auch hier gab es Verzögerungen.

Um die Bus-Abgase aus der Stadt zu kriegen, werden in Frankfurt sogar Buslinien gestrichen: Die Museumsuferlinie 46 gibt es nicht mehr, die Linie 30 aus Bad Vilbel könnte künftig an der Stadtgrenze halten. Das fehlende Teilstück müssten die Fahrgäste mit der Straßenbahn überbrücken. Vor Ort stoßen die Pläne auf Unverständnis: "Auf Dieselfahrverbote mit einem schlechterem Nahverkehrsangebot zu reagieren, ist kurzsichtig und unverantwortlich", reagierten die Grünen in Bad Vilbel, als die Pläne durchsickerten.

Auf zwei weiteren Buslinien durch die Innenstadt sollen nur noch Busse fahren, die die schadstoffärmste Diesel-Abgasnorm VI erfüllen. Etwa ein Drittel der Flotte erfüllt laut traffiQ heute schon diese Schadstoffnorm, die von Fahrverboten nicht betroffen wäre. Weil Euro VI bei allen neuen Verträgen vorgeschrieben ist, wachse die Zahl der sauberen Busse ständig, sagt traffiQ-Geschäftsführer Tom Reinhold. Die Frankfurter Busflotte sei "eine der modernsten und saubersten in Deutschland".