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Telekom-Konkurrenz soll mehr für die "letzte Meile" zahlen

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Glasfaser-Kabel mit farbigen Einzelsträngen: Die Konkurrenz fürchtet, dass die Telekom zu wenig in den Glasfaserausbau investiert. Foto: Peter Kneffel

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Bonn (dpa) - Die Deutsche Telekom soll mehr Geld von ihren Wettbewerbern für die "letzte Meile" bekommen - also den relativ teuren letzten Kabelabschnitt bis zum Kunden.

Ab Juli sollen die Firmen pro Teilnehmer-Anschlussleitung monatlich 11,19 Euro zahlen und damit rund 12 Prozent mehr als bisher (10,02 Euro), wie die Bundesnetzagentur am Mittwoch mitteilte. Dieser Preis bezieht sich auf die Strecke vom Hauptverteiler bis zum Kunden. Hat die Firma eigene Leitungen bis zum nachgeordneten Kabelverzweiger, also dem grauen Verteilerkasten in der Straße, sollen 7,05 Euro fällig werden, das wäre ein Aufschlag von vier Prozent.

Die Regulierungsbehörde begründete die Aufschläge mit höheren Kosten für Bauarbeiten oder Kupfer. Der frühere Staatsmonopolist bekommt von Wettbewerbern wie Vodafone und Telefónica (O2) Geld, wenn diese Kunden über Telefonleitungen der Telekom versorgen.

Dies ist nur dort der Fall, wo die Unternehmen keine eigene Leitungen in die Gebäude haben - dort öffnet die Telekom ihr Netz für die Konkurrenz und wird hierfür bezahlt. Mit wie viel Geld, legt die Bundesnetzagentur alle drei Jahre fest. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sanken die Entgelte bis auf eine Ausnahme, 2013 gab es einen leichten Anstieg. Nun soll es den ersten kräftigen Aufschlag geben.

Die Telekom sieht das nach Worten eines Sprechers als "Schritt in die richtige Richtung". Allerdings bleibe der höhere Preis "unter den von der Deutschen Telekom beantragten und nachgewiesenen Kosten". Studien zufolge habe sich der Tiefbau in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 30 Prozent verteuert.

Der Branchenverband VATM, in dem sich die Telekom-Konkurrenten organisiert haben, nannte die geplanten Entgelte "Gift für den von der Politik mit größtem Nachdruck geforderten Glasfaserausbau". Nach Berechnung des Verbandes bekommt die Deutsche Telekom durch die Anhebung künftig pro Jahr 60 Millionen Euro mehr von ihren Wettbewerbern.

Ein Vodafone-Sprecher nahm die Erhöhungspläne "mit Erstaunen" zur Kenntnis: "Die Erhöhung der Entgelte für die Nutzung der alten, abgeschriebenen Kupferinfrastruktur senkt den Anreiz für die Telekom, in den Glasfaserausbau zu investieren."

Der Telekom-Sprecher betonte hingegen, man wolle künftig umfassend in Glasfaser investieren. Er wertete die Erhöhung ganz anders als die Konkurrenz: "Mit den neuen Entgelten wird für alle Netz-Unternehmen ein wichtiger Anreiz gesetzt, künftig in Glasfasernetze zu investieren."

Die Logik dahinter: Die Leitungsentgelte sind in zwei Jahrzehnten bis auf die Ausnahme 2013 stets gesunken und waren nach dem Verständnis der Telekom so billig, dass Wettbewerber mitunter lieber diese fremde Infrastruktur nutzten, anstatt eigene, teure Leitungen zu legen. Durch die Erhöhung könnte sich das aus Telekom-Sicht etwas ändern.

Der Preisaufschlag ist noch nicht in trockenen Tüchern, Marktteilnehmer und andere Parteien haben nun die Gelegenheit zur Stellungnahme. Zum 1. Juli könnte die Regel in Kraft treten.