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Konjunktur - Hannover

Zölle und Brexit beunruhigen die Exportwirtschaft

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Hannover (dpa/lni) - Handelsstreit mit den USA, der drohende Brexit und die Schwierigkeiten mit dem neuen Abgas-Prüfstandard WLTP: Die exportierenden Unternehmen in Niedersachsen sind pessimistischer ins Jahr gestartet. Im dritten Jahr in Folge seien die Exporte in die USA gesunken, teilte die IHK Niedersachsen zur regionalen Auswertung der DIHK-Umfrage "Going International" mit. Sanktionen und Strafzölle schädigten die Unternehmen inzwischen erkennbar, warnte der Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen, Horst Schrage. "Umso mehr benötigen wir Rückenwind durch neue Freihandelsabkommen, die von der EU abgeschlossen werden."

Der Anteil der Unternehmen, die die Lage als schlecht bewerteten, habe sich binnen eines Jahres auf 21 Prozent verdoppelt, ergab die Untersuchung. Dies liege nicht nur an den Strafzöllen auf Stahl und Aluminium, sondern vor allem am Handelskonflikt zwischen den USA und China. 32 Prozent der knapp 250 in Niedersachsen befragten Betriebe rechneten mit einer weiteren Verschlechterung.

Im vergangenen Jahr sanken die niedersächsischen Exporte den Angaben zufolge im Vergleich mit 2017 um knapp zwei Milliarden Euro auf 85,9 Milliarden Euro. Grund sei allerdings ein Sondereffekt in der Autobranche mit einem Exportrückgang um 3,2 Milliarden Euro. Dabei geht es um die Schwierigkeiten - vor allem von Volkswagen - mit dem neuen Messverfahren WLTP. Weil die nötigen Zulassungen fehlten, konnte eine Reihe von Modellen über längere Zeit nicht ausgeliefert werden.

Der drohende EU-Ausstieg Großbritanniens betrifft den Angaben zufolge etwa drei Viertel der befragten exportierenden Unternehmen Niedersachsens. Mit 6,1 Milliarden Euro an Exporten zählte das Vereinigte Königreich 2018 erneut zu den drei wichtigsten Exportländern Niedersachsens. 81 Prozent der befragten Unternehmen befürchteten vor allem die Zollbürokratie, 44,4 Prozent ein langsameres britisches Wirtschaftswachstum. Für den Fall eines Brexits ohne Vertrag hätten 32 Prozent der Unternehmen ihre Lagerbestände aufgestockt.

Insgesamt beklagten mehr als die Hälfte der Unternehmen zunehmende Handelshemmnisse. Hintergrund sind etwa die US-Sanktionen gegen den Iran und Russland, aber auch die US-Strafzölle.