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Konjunktur - Hannover

Konjunkturelle Bremsspuren durch Exportrisiken: Bau stabil

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Hannover (dpa/lni) - Die niedersächsische Wirtschaft stagniert, aber sie schrumpft nicht. Der wegen US-Handelspolitik und Brexit-Sorgen zum Stillstand gekommene Export habe die Konjunktur ausgebremst, teilte die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) am Dienstag mit. Sie hatte zu ihrer Konjunkturumfrage knapp 2000 Unternehmen befragt.

Mehr Konsum und Investitionen in Bauten stützten die Wirtschaft, der Export jedoch falle als Wachstumsfaktor aus. Die Entwicklung bleibe aber solide, betonte Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen: "Unsere Umfrage macht deutlich, dass die konjunkturelle Entwicklung sich in den letzten Monaten abgekühlt hat, Anzeichen einer Rezession aber überhaupt nicht erkennbar sind."

Sollten keine Störfeuer kommen, geht er fürs laufende Jahr weiter von einem einprozentigen Wachstum der niedersächsischen Wirtschaft aus. "Von Rezession ist nirgendwo etwas zu sehen", sagte er - mahnte aber zugleich die Kommunen, sich auf magere Zeiten einzustellen. "Die Euphorie der vergangenen zwei bis drei Jahre ist etwas gebremst", erklärte er.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator gab zum fünften Mal in Folge nach - liegt den Angaben zufolge aber mit 110 (Vorquartal: 112) Punkten für das erste Quartal 2019 über dem langjährigen Durchschnitt. Die Geschäftslage bleibe relativ gut, teilte die Kammer mit. 33 (Vorquartal: 39) Prozent der befragten Unternehmen beurteilten ihre Lage als gut. Nur 9 (8) Prozent sind unzufrieden. Die Erwartungen seien verhalten: 18 (16) Prozent der Befragten rechneten mit einer günstigeren Entwicklung, 20 (21) Prozent seien pessimistisch.

Neueinstellungen seien in der Industrie nicht zu erwarten. Allerdings hätten sich die in Niedersachsen wichtigsten Branchen - Autoindustrie und Zulieferer - von den Zulassungsproblemen wegen des neuen Abgas- und Verbrauchsprüfstandards WLTP erholt. Die Auftragsbestände seien nach den vergangenen Boomjahren allerdings spürbar gesunken, so dass das Wachstum in der Industrie nun zum Stillstand gekommen ist. Die Spediteure klagten zudem über sinkende Frachtraten.

Das größte Problem für alle Branchen und 57 Prozent der Befragten bleibt der Fachkräftemangel. So laufe das Geschäft der Bauwirtschaft auf höchstem Niveau, Kapazitätsgrenzen seien erreicht. "Das ist ohne Zweifel ein Wachstumstreiber", meinte Schrage. Nachfrage und Auftragseingänge legten aber weiter zu, während die Kapazitäten wegen der fehlenden Fachkräfte kaum noch stiegen. Als zweitgrößtes Problem nach dem Fachkräftemangel gelten den Unternehmen ausufernde Bürokratie sowie mangelnde Planungssicherheit.

Der Großhandel berichtet über eine gute Geschäftslage und steigende Umsätze, während der Einzelhandel seine Geschäftslage als insgesamt stabil angibt. Dort ist das Gesamtbild aber uneinheitlich. Rechnet der Handel in den Bereichen Bekleidung, Möbel und Baumärkte mit einem Umsatzplus, so fürchten Händler mit Unterhaltungselektronik, Büchern und Schuhen wegen der Online-Konkurrenz rückläufige Umsatzzahlen.