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Industrie - München

Linde schließt Minderheitsaktionäre aus

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München (dpa) - Ende einer Ära: Der traditionsreiche Münchner Gasekonzern Linde AG hat auf seiner letzten Hauptversammlung am Mittwoch seinen Rückzug von der Börse in die Wege geleitet. Zwei Monate nach der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair zog der neue, aus den USA heraus geführte Konzern Linde plc einen Schlussstrich: Die Aktien der noch verbliebenen Minderheitsaktionäre werden gegen Zahlung einer Abfindung eingezogen.

Das Abstimmungsergebnis auf der Hauptversammlung war von Anfang an klar: 92 Prozent der Linde-AG-Aktionäre wollten die Fusion und hatten ihre Aktien schon vor einem Jahr zum Umtausch eingereicht - nur 8 Prozent wollten damals nicht tauschen. Nach elfstündiger Debatte stimmten am späten Abend schließlich 99,58 Prozent für das "Squeeze out" - also den Ausschluss von Minderheitsaktionären.

Der scheidende Vorstandschef Aldo Belloni sagte vor 650 zum Abschied gekommenen Altaktionären: "Wir machen aus zwei sehr guten Unternehmen ein exzellentes." Als neuer Weltmarktführer mit 80 000 Mitarbeitern und 24 Milliarden Euro Jahresumsatz rechnet die neue Linde plc mit Synergien von gut einer Milliarde Euro.

Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, viele Altaktionäre der 1879 als "Carl Linde's Eismaschinen Aktiengesellschaft" gegründeten Firma seien "traurig und sogar wütend". Das letzte Kapitel sei nicht rühmlich gewesen. Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sagte, Linde habe "sich unter Wert verkauft".

Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle widersprach und verwies auf den kräftigen Anstieg des Aktienkurses. Die Linde plc sei heute gut 78 Milliarden Euro wert und damit nach SAP und Siemens das wertvollste Unternehmen im Dax. Reitzle hatte die Fusion maßgeblich betrieben und ist jetzt auch Aufsichtsratschef der Linde plc.

Geführt wird der neue Konzern vom bisherigen Praxair-Chef Steve Angel von den USA aus. Der steuerrechtliche Sitz ist in Irland, der gesellschaftsrechtliche in England.

Die Fusion mit Praxair wurde im Oktober endgültig besiegelt, wie Belloni betonte. Bis Ende Januar muss Linde auf Anordnung des US-Kartellamts allerdings noch einige Geschäfte in den USA verkaufen - erst dann können Reitzle und Angel die Integration der beiden Konzerne anpacken.

Die Minderheitsaktionäre der Linde AG erhalten 189 Euro je Anteil oder insgesamt rund drei Milliarden Euro. Die Höhe der Abfindung wurde von Wirtschaftsprüfern ermittelt und von einem gerichtlich bestellten Sachverständigen überprüft.

Reitzle hatte die Fusion im zweiten Anlauf gegen den Widerstand von Betriebsräten, IG Metall und IG BCE durchgesetzt. Sie fürchten den Verlust von Arbeitsplätzen und Mitbestimmungsrechten. In Deutschland beschäftigt Linde 7000 Mitarbeiter. Hauptaktionäre der Linde plc sind angelsächsische Investoren.