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Immobilien - Frankfurt am Main

Studie: Kaum freie Wohnungen in Frankfurt

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Frankfurt/Main (dpa/lhe) - In Frankfurt finden die Menschen kaum noch freie Wohnungen. Mit einer Leerstandsquote von 0,5 Prozent sei der Immobilienmarkt ins Hessens größter Stadt leer gefegt, zeigt ein Gutachten des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA). "Die Tanzfläche ist voll", kommentierten die Experten das Papier für Frankfurt und die Rhein-Main-Region, das am Mittwochabend vorgestellt wurde.

Wohnungen in Frankfurt verteuerten sich demnach 2018 rasant. Die Preise für Eigentumswohnungen im Bestand klettern im dritten Quartal im Schnitt um 13,2 Prozent binnen Jahresfrist. Mit Kaufpreisen von im Mittel 4250 Euro je Quadratmeter liege Frankfurt bundesweit auf Platz zwei nach München. Deutschlandweit lag der Anstieg bei gut 8 Prozent.

Trotz des starken Neubaus werde der Wohnungsbedarf nicht gedeckt, sagte Carolin Wandzik, Geschäftsführerin des Hamburger Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung (GEWOS). Entsprechend kletterten die Neuvertragsmieten in Frankfurt stark nach oben: Binnen Jahresfrist stiegen sie um 5,7 Prozent auf 12,58 Euro je Quadratmeter im Mittel. Teurer seien bundesweit nur München (16,54 Euro) und Stuttgart (13,16 Euro).

Datenbasis waren laut ZIA Angebote für bestehende Wohnungen in mittlerer Lage auf dem Portal Immobilienscout24. Bei Neubauten lagen die Preise für Wohnungen noch deutlich höher. Über die tatsächlichen abgeschlossenen Verträge wurden keine Angaben gemacht.

Frankfurt sei unter den größten deutschen Städten besonders kräftig gewachsen, sagte Wandzik, die das Gutachten vorstellte. "Vor allem Junge wandern auf der Suche nach Jobs zu." Auch das Umland habe viele Einwohner gewonnen - etwa Offenbach, Kelsterbach und Hanau. In Offenbach stünden Inserate für Häuser nur drei bis vier Wochen im Netz, dann seien sie verkauft. "Familien und Senioren zieht es raus."

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) reagierte verwundert auf die ZIA-Aussagen. Die Einschätzung der Stadt sei eine ganz andere: "Es ist augenfällig, dass in Frankfurt insbesondere in den stark nachgefragten Lagen der mutmaßlich spekulative Leerstand zunimmt", sagte Josef. Hierüber werde in der Zusammenfassung des Gutachtens keinerlei Aussage gemacht.

Für Hanau sei der Zuwachs an Einwohnern "eine unglaubliche Chance", sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Hanau habe sein Image deutlich verbessert, etwa mit dem Umbau der Innenstadt.

Pendler können bei den Wohnkosten kräftig sparen, zeigte zudem die Studie. Im Umland waren die Neuvertragsmieten im Mittel mehr als ein Drittel niedriger als in der Finanzstadt. Allerdings gibt es große Unterschiede: Während die Neuvertragsmieten im wohlhabenden Bad Homburg gut 86 Prozent des Frankfurter Niveaus erreichten, seien sie in Birstein (Main-Kinzig-Kreis) nicht einmal halb so hoch (42).

Auch Wohnungen zum Kauf sind im Umland oft viel billiger. Die Spanne reicht von Nidda im Wetteraukreis (31 Prozent des Frankfurter Niveaus) bis Bad Vilbel und Bad Soden (gut 80 Prozent). Bei Häusern seien einige Gemeinden im Taunus gar teurer als Frankfurt. "Der Immobilienboom springt deutlich auf das Umland über", sagte Wandzik.

Während freie Wohnungen in Frankfurt faktisch nicht mehr existieren, herrscht noch Spielraum bei Büros. Der ZIA verzeichnete hier eine Leerstandsquote von 7,6 Prozent - gut fünfmal so viel wie in München.