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Handel - Erfurt

Wochenmärkte in Thüringen: Dinosaurier oder Zukunftsmodell?

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Erfurt (dpa/th) - Für viele Städte in Thüringen sind Wochenmärkte ein wichtiger Anziehungspunkt im Stadtbild - in kleineren Kommunen fehlt es aber oft an Händlern. "Viele Märkte haben ein Personalproblem", erklärt Katrin Schiel von der Deutschen Marktgilde. Das Unternehmen ist mit 120 Standorten einer der größten deutschen Wochenmarktbetreiber und mit zwei Märkten in Thüringen vertreten. "Manche Händler würden gerne mehr machen, aber sie bekommen keine Leute", sagte sie. Auch Nachfolger ließen sich für den anstrengenden Beruf nur schwer begeistern.

"Wir haben mittlerweile zu kämpfen, dass wir überhaupt Händler finden", bestätigt die Bereichsleiterin Märkte der Stadt Sonneberg, Cornelia Brückner. Dabei sei die Nachfrage der Kunden durchaus hoch. Auch in Gera ist der Stadtverwaltung zufolge das Angebot an selbsterzeugten Produkten aus der Region rückläufig.

Relativ stabil ist dagegen die Lage in größeren Städten. Neue Anfragen von Händlern des "grünen" Marktes auf dem Erfurter Domplatz seien zwar selten, sagte Sven Kaestner, Abteilungsleiter Märkte und Stadtfeste. Gerade an den beiden "Spezialwochenmärkten", dem Blumen- und Gartenmarkt im Frühjahr und dem Cerealienmarkt im Herbst, nähmen sehr viele regionale Produzenten teil. Die Besucherzahlen der Wochenmärkte variierten - je nach Wetterlage - zwischen 500 und 12 000, seien aber grundsätzlich stabil. In Weimar sind die Besucherzahlen dagegen rückläufig, in Jena werden keine erhoben.

Für die Kommunen sind die Wochenmärkte ein wichtiger Besuchermagnet: Mehrere Städte melden an Markttagen auch merkliche Umsatzsteigerungen in den angrenzenden Geschäften. "Wochenmärkte sind durchaus ein Instrument, um die Attraktivität einer Stadt zu erhöhen - vorausgesetzt, das Angebot stimmt", sagt der Landesgeschäftsführer des Thüringer Handelsverbands, Knut Bernsen. Regionale Produkte würden seiner Einschätzung nach immer beliebter bei den Kunden.

Diesen Trend kann auch Arndt Buck von der Bio-Gemüsewerkstatt "Grünschnabel" bestätigen. Seit 10 Jahren leitet er den Stand des Unternehmens auf dem Erfurter Wochenmarkt. "Generell kommen vor allem Menschen mit Bezug zur Landwirtschaft oder ältere Kunden auf den Wochenmarkt. Aber auch immer mehr junge Familien entdecken das Bewusstsein für gesunde Ernährung aus regionalem Anbau." Ärgerlich sei, dass der Markt in Erfurt an Wochenenden häufig zugunsten anderer Veranstaltungen an den Rand des Platzes gedrängt werde.

Diesem generellen Trend zum Trotz seien Händler und Kommunen gefordert, sich den Herausforderungen der neuen Zeit anpassen, sagt Schiel. "Wir glauben daran, dass es das "Einkaufen unter freiem Himmel" auch in 20 oder 50 Jahren noch geben wird - aber der Wandel muss offensiv angegangen werden." Teilweise mangele es Händlern und Kommunen an Flexibilität. Mehr Präsenz im Internet und den sozialen Medien und die Möglichkeit bargeldloser Zahlung seien wichtige Mittel zur Steigerung der Attraktivität. Abendmärkte, die auch Berufstätigen einen Besuch ermöglichen, gebe es bisher aber nur in den alten Bundesländern. Versuche, die Marktzeiten zu erweitern, hätten sich im Osten nicht durchsetzen können.

Dem Landesamt für Statistik zufolge gab es 2009 in Thüringen noch fast 250 Unternehmen mit 536 Angestellten, die sich auf den Einzelhandel an Verkaufsständen und Märkten spezialisiert hatten. 2016 hatte sich die Zahl auf 176 Unternehmen mit rund 450 Beschäftigten reduziert. Imbissstände sind dabei nicht berücksichtigt.