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Gastgewerbe - Erfurt

Dehoga: Thüringen hat zu wenig vom deutschen Tourismusboom

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Erfurt (dpa/th) - In Thüringen gibt es immer mehr Ortschaften ohne Gasthaus. "Leider geht das Gasthaussterben, wenn auch vermindert, weiter", sagte der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes, Dirk Ellinger, am Mittwoch in Erfurt. Jährlich seien es etwa 50 Betriebe weniger, weil keine Nachfolger oder ausreichend Personal gefunden würden. Aber auch die schwierige Ertragslage sowie zunehmende Konkurrenz durch Waren- und Möbelhausgastronomie seien ein Problem, sagte Ellinger. Nach einer durchwachsenen Wintersaison blicke das Gastgewerbe vorsichtig optimistisch in die zweite Jahreshälfte.

Die Branche gehört mit einem Jahresumsatz von mehr als 1,1 Milliarden Euro und nach Dehoga-Schätzungen 40 000 Beschäftigten zu den großen Wirtschaftsbereichen im Freistaat.

Nach der Umfrage des Verbandes erwarten rund 46 Prozent der Gastronomen eine gute Sommersaison, 50 Prozent zumindest eine zufriedenstellende. Dabei mache sich die positive Einkommensentwicklung der Thüringer bemerkbar. "Man geht wieder mehr zum Essen", sagte Ellinger.

In der Hotellerie sind die Optimisten sogar in der Mehrzahl: Fast 61 Prozent gehen von einer guten Geschäftsentwicklung aus, nur 1,2 Prozent rechnen mit Einbrüchen. Im ersten Quartal war die Zahl der Übernachtungen um 0,6 Prozent auf 1,8 Millionen im Freistaat gestiegen.

Das Problem vieler familiengeführter Betriebe sei der im Bundesvergleich relativ geringe Jahresumsatz, sagte Ellinger. Er liege im Schnitt bei 229 000 Euro, im Bundesdurchschnitt seien es mehr als 390 000 Euro Jahresumsatz pro Betrieb. Schlechtere Werte als Thüringen habe nur das Saarland mit im Schnitt 226 000 Euro.

"Von den Boomjahren im Deutschland-Tourismus seit 2014 bekommt Thüringen leider bisher nicht so viel ab", sagte Ellinger. Hinzu komme der Fachkräftemangel, der Betriebe teilweise zu verkürzten Öffnungszeiten zwinge. Innerhalb von zehn Jahren sei beispielsweise die Zahl der jungen Leute, die in Thüringen eine Koch-Ausbildung absolviere, von rund 2000 auf jetzt nur noch knapp 550 gesunken. "Die Situation ist dramatisch", so der Verbandsgeschäftsführer.

Hoffnungen setze die Branche auf größere Hotelansiedlungen und -investitionen wie in Erfurt oder Oberhof, die eine Sogwirkung auch für Betriebe im Umfeld hätten. Zudem würden neue Gaststättenkonzepte mit Erlebnischarakter erprobt und stärker auf Freizeitsportler als Zielgruppe gesetzt.

Das Thüringer Gastgewerbe, dabei vor allem die Gastronomie, hat in den vergangenen Jahren eine kräftige Marktbereinigung mit Kneipensterben und Betriebsaufgaben hinter sich. Mehr als jeder vierte Anbieter verschwand laut Dehogha in den vergangenen zehn Jahren vom Markt. Betroffen waren vor allem die ländlichen Regionen. In Thüringen gibt es etwa 5000 Betriebe im Gastgewerbe.