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Fischerei - Wedel

Fischer warnen vor toter Elbe: Stintbestand geht zurück

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Hamburg (dpa) - Die letzten Elbfischer schlagen Alarm und fürchten um ihre Zukunft. "Die Hamburger Behörden müssen die Tatsache anerkennen, dass der Stintbestand in der Tideelbe dramatisch zurückgegangen ist", heißt es in einer am Montag in Hamburg verbreiteten Erklärung der drei noch aktiven Elbfischer. Das gesamte Ökosystem der Elbe sei gefährdet. "Wir Elbfischer fordern die Behörden auf, endlich zu untersuchen, wie es um den Bestand genau steht und was ihn derart schädigt, dass er jetzt zusammenbricht."

Die Fischer machen im Wesentlichen Baggerarbeiten in der Elbe für den Rückgang der Stintbestände verantwortlich. Der Hafenschlick, der vor der Elbinsel und dem Naturschutzgebiet Neßsand in die Elbe eingebracht werde, schädige die Eier und Larven der Stinte. Durch die Trübung des Wassers könnten die Stintlarven ihre Nahrung nicht mehr sehen und müssten verhungern.

Den Ursachen des seit fünf Jahren andauernden Rückgangs der Stintbestände ist auch das Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg auf der Spur. Für eine umfassende Ursachenforschung müssten "mögliche Einflussfaktoren über den gesamten Lebenszyklus des Stintes, also vom Ei bis zum laichreifen Individuum, betrachtet werden", sagte Ralf Thiel, Leiter der Abteilung für Fischkunde. Unter der Beteiligung von Behörden, Wissenschaft, Vereinen und Verbänden hat sich im vergangenen November die "Initiative Elbfische" gegründet, um die Fischfauna in der Tideelbe nachhaltig zu fördern.

Stinte sind mit einer Größe von 15 bis 20 Zentimetern die kleinsten lachsartigen Schwarmfische. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Stint mit Netzen am Ufer der Elbe in Massen gefangen. Mit zunehmender Gewässerverunreinigung verschwand er zeitweilig völlig und geriet als Speisefisch in Vergessenheit. Das änderte sich Ende des vorigen Jahrhunderts. Seitdem gilt er als regionale Delikatesse.