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Verbraucher dürfen auf sinkende Gaspreise hoffen

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Mehr als 350 von gut 700 Gasanbietern haben im Schnitt die Preise erhöht. Doch der Preistrend nach oben könnte von kurzer Dauer sein. Foto: Patrick Pleul

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München/Hamburg (dpa) - Die Gaspreise in Deutschland sind im ersten Halbjahr im Durchschnitt um knapp zwei Prozent gestiegen.

Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern und einem jährlichen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden komme nunmehr auf eine Jahresrechnung von 1259 Euro, teilte das Internet-Portal Check24 in München mit. Zuvor waren es 1236 Euro.

Mehr als 350 von den gut 700 Gasanbietern in Deutschland haben demnach die Preise erhöht, im Schnitt um neun Prozent. Davon betroffen waren rund vier Millionen Haushalte. Vor allem die Grundversorger, die in ihren jeweiligen Geschäftsgebieten die höchsten Marktanteile haben und oft zu großen Energiekonzernen wie Eon gehören, hoben ihre Preise an.

Doch der Preistrend nach oben könnte von kurzer Dauer sein. Die Großhandelspreise für Gas seien seit Februar um rund 42 Prozent gesunken. Darauf hätten vor allem kleinere Alternativ-Anbieter ebenfalls mit Preissenkungen reagiert, heißt es bei Check24. Sie hätten seit Februar ihre Preise um drei Prozent herabgesetzt. Sollten sich die niedrigen Großhandelspreise stabilisieren, so könnten im zweiten Halbjahr weitere Preissenkungen die Folge sein.

Die Gaspreise waren über Jahre zurückgegangen, ehe sie im vergangenen Jahr ihren langjährigen Tiefpunkt erreicht hatten und wieder zu klettern begannen. "Vor allem im ersten Quartal dieses Jahres stiegen die Gaspreise kräftig an", sagte Oliver Bohr, Geschäftsführer Energie bei Check24. Selbst wenn die Gaspreise für Verbraucher wieder gestiegen sind, liegen sie noch immer deutlich unter ihren früheren Höchstständen. Vor gut zehn Jahren, im Januar 2009, mussten die Verbraucher für 20.000 Kilowattstunden 1597 Euro bezahlen, also über 300 Euro mehr als heute.

Für die Verbraucher in Deutschland wird die Entwicklung auf dem Weltmarkt entscheidend sein. Vor allem der kurzfristige Gaspreis ist stark gefallen, weil die Gasspeicher in Europa gut gefüllt sind und kaum Bedarf für weitere Einspeicherungen besteht. Für kurzfristiges Gas müssen die Versorger nur noch etwa zehn Euro je Megawattstunde bezahlen, so wenig wie noch nie.

Das taugt allerdings noch nicht für eine mittelfristige Vorhersage. Wer jetzt als Großhändler oder Versorger Gas kauft, das erst im Winter geliefert werden soll, zahlt mehr als 18 Euro je Megawattstunde. Die Einkaufsstrategien der Versorger, ihr Mix aus längerfristigen Lieferverträgen und kurzfristigen Marktreaktionen, bestimmen letztlich über ihre Einkaufskosten und damit ihre Preise.

Der Gaspreis ist dabei auch Entwicklungen unterworfen, die von Verbrauchern in Deutschland nicht beeinflusst werden. Gas wird nicht nur zum Heizen verwendet, sondern auch in anderen Wirtschaftsbereichen eingesetzt.

Die Analysten eines Handelshauses verweisen auf einen möglichen Nachfrageschub in Asien, wenn der Sommer sehr heiß wird. Dann steigt der Bedarf für Gas zur Klimatisierung. Zusätzliche Nachfrage könnte auch aus dem Stromsektor kommen, wenn niedrige Wasserstände den Betrieb von Kohle- und Kernkraftwerken einschränken sollten. Mittelfristig ist mit einer steigenden Nachfrage nach Gas zu rechnen; die Internationale Energie-Agentur (IEA) erwartet in den kommenden fünf Jahren ein Marktwachstum von rund zehn Prozent.