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Energie - Kiel

Batterie-Forschungsfabrik: Schleswig-Holstein bewirbt sich

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Kiel (dpa/lno) - Neben fünf anderen Ländern hat sich Schleswig-Holstein um die vom Bund ausgeschriebene erste Batteriezellen-Forschungsfabrik in Deutschland beworben. Standort für das 550-Millionen-Euro Projekt solle Itzehoe (Kreis Steinburg) sein, wo bereits das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT) seinen Sitz habe, sagte Technologie-Staatssekretär Thilo Rohlfs am Freitag in Kiel. Mit dem Institut habe man eine exzellente, 500 Seiten starke Bewerbung erarbeitet. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) werde am 8. Juli die Entscheidung über den Standort bekanntgeben.

Rohlfs betonte, es gebe enorme Konkurrenz mit Niedersachsen (Braunschweig), Baden-Württemberg (Ulm), Bayern (München), Sachsen (Dresden) und Nordrhein-Westfalen (Münster). "Wir sind nicht Favorit, aber wir haben eine Chance - und die wollen wir nutzen." Dass Itzehoe im Batterie-Bereich in der Ersten Liga spiele, zeige sich daran, dass bundesweit acht renommierte Institute zu Bewerbungen aufgefordert wurden - und dazu gehöre auch das ISIT.

Im Falle eines Zuschlags wird die Landesregierung für den Bau der Forschungsfertigung 145 Millionen Euro zur Verfügung stellen und die Batterieforschung zu einem Förderschwerpunkt machen. Das wäre die größte Investitionssumme für ein Einzelprojekt in dieser Legislaturperiode, sagte Energieminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Das sei ein klarer Beleg dafür, welche Bedeutung die Energiewende für die Landesregierung habe. Die Stadt Itzehoe und der Kreis Steinburg haben außerdem 15 Millionen Euro für das Projekt zugesagt.

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sicherte Itzehoe volle Unterstützung zu. "In der Erzeugung erneuerbarer Energien ist Schleswig-Holstein bundesweit spitze, das wollen wir auch in der Speichertechnologie sein", sagt der Regierungschef in dem vom Kreis Steinburg produzierten Bewerbungsfilm. Nach der Bewerbungsvorstellung fügte er hinzu: "Mit der Präsentation der Projektpartner heute Morgen in Kiel ist der erste wichtige Schritt gemacht - jetzt werde ich mich selbst auf Bundesebene einbringen, um wichtige Partner für den Standort in Itzehoe zu gewinnen." Günther will die Bewerbung am 6. Juni bei einem parlamentarischen Frühstück in der Landesvertretung in Berlin vorstellen.

ISIT-Chef Axel Müller Greling sagte, Schleswig-Holstein habe zwar keine Autoindustrie, aber dafür grünen Strom durch die Windenergie. Dieser sei Voraussetzung für eine Batteriezellen-Produktion mit einem möglichst kleinen CO2-Fußabdruck. Itzehoe biete perfekte Rahmenbedingungen und eine einzigartige Kombination von Standortfaktoren, Kompetenzen und Partnern. Im Übrigen könnten Batteriezellen nicht nur in Autos eingesetzt werden, sondern auch der Speicherung von Öko-Strom dienen oder im maritimen Bereich verwendet werden.

Staatssekretär Rohlfs betonte, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern unterstützten Itzehoe politisch. Es handle sich um eine norddeutsche Bewerbung. Selbst im Falle eines Scheiterns habe die Bewerbung bereits jetzt eine positive Wirkung: "Wir haben unsere Kompetenzen auf dem Feld der Speichertechnologien die letzten Monaten so effizient gebündelt, dass wir auch für weitere Projekte einen ausgezeichneten Nährboden haben", sagte der Staatssekretär.