bedeckt München 24°

Banken

Deutsche Bank mit Gewinneinbruch zu Jahresbeginn

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Bank kämpft mit heftigem Gegenwind: Ein schwächeres Geschäft mit Anleihen hat dem deutschen Branchenprimus den Jahresanfang verhagelt, eine weitere Kapitalerhöhung ist kein Tabu mehr und juristische Altlasten drohen die Bilanz weiter zu belasten.

Im ersten Quartal sackte das Vorsteuerergebnis verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um gut 30 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ab, wie das Institut am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Unter dem Strich blieben 1,1 Milliarden Euro übrig, ein Drittel weniger als vor einem Jahr.

Die Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain sprachen zwar von einem "robusten Ergebnis". Das Institut sei mit seinen 2015er Zielen Schritt für Schritt vorangekommen und liege in Schlüsselbereichen über Plan. Dann soll ein Großteil des Konzernumbaus samt harter Einsparungen abgeschlossen sein.

Allerdings kämpft die Deutsche Bank mit neuen Kapitalproblemen. Eine weitere Aufstockung ist kein Tabu mehr. "Wir schließen nichts aus, was im Interesse der Deutschen Bank ist", sagte Co-Chef Anshu Jain in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Zunächst will das Institut aber alle anderen Möglichkeiten prüfen, um sein Kapital zu stärken.

Die Deutsche Bank hatte erst vor einem Jahr durch die Ausgabe neuer Aktien drei Milliarden Euro erlöst. Jain hatte damals erklärt, dass der "Hungermarsch" beim Kapital abgeschlossen sei und die Bank sich wieder auf Wachstum konzentrieren wolle.

Doch vor allem strengere Kapitalregeln der Aufseher machen der Bank nach eigenen Angaben einen Strich durch die Rechnung. An dem Ziel, in einem Jahr auf eine harte Kernkapitalquote von über 10 Prozent zu kommen, hielt der Vorstand fest. Im ersten Quartal lag die Quote bei 9,5 Prozent.

Der Weg dahin wird aber schwieriger. Manchen Analysten zufolge braucht das Institut 5 bis 10 Milliarden Euro frisches Geld, um auf der sicheren Seite zu sein. Auch mögliche weitere Rückstellungen wegen der zahlreichen juristischen Altlasten könnten auf den Gewinn und damit das Kapital drücken. Als möglichen Belastungsfaktor sieht die Bank den laufenden Bilanzcheck durch die Europäische Zentralbank. Zudem muss das Institut seine US-Geschäfte künftig mit mehr Eigenkapital ausstatten.

Im ersten Quartal belasteten vor allem Rückgänge im Tagesgeschäft die Bilanz. Besonders im Investmentbanking lief es nicht mehr so gut, das Geschäft mit Anleihen schwächelte. Dabei wirkt sich vor allem das langsame Auslaufen der ultralockeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed aus. Dies hatte schon die US-Banken belastet. Die Deutsche Bank ist im Anleihenhandel eine der Top-Adressen weltweit. Dennoch zählte die Aktie des Geldhauses mit einem Plus von mehr als 3 Prozent bis zum Nachmittag zu den Gewinnern im Dax. Analysten hatten Schlimmeres befürchtet.

Zuwächse verbuchte die Bank im Privatkundengeschäft, das fast einen Rekordgewinn erzielte. Dabei profitierte das Institut davon, dass die Kunden dank der guten Wirtschaftslage in Deutschland ihre Kredite regelmäßig bedienen. Die Risikovorsorge konnte das Haus daher deutlich reduzieren.

Rückstellungen für juristische Altlasten, die dem Institut die letzten Quartale verhagelt hatten, schlugen dieses Mal kaum zu Buche. Die Deutsche Bank hatte zuletzt einige wichtige Fälle durch Vergleiche wie etwa die Auseinandersetzung um die Pleite des Kirch-Medienimperiums gelöst. Allerdings sind noch nicht alle Probleme vom Tisch. So steht etwa in den USA eine Einigung im Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze aus. Hinzu kommen die weltweit laufenden Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen von Devisenkursen bis hin zum Goldpreis. Weitere Belastungen im Laufe des Jahres seien daher nicht auszuschließen.

Stopfen will der Vorstand mögliche Löcher in erste Linie durch einen weiteren Abbau von Risiken, eine Reduzierung von Boni und durch die Einbehaltung von Gewinnen. Die Folge dürfte sein, dass die Bank die von Beobachtern für das kommende Jahr erhoffte Dividendenerhöhung verschieben muss. Wenn das alles nicht reicht, dürfte es eine weitere Kapitalerhöhung geben, wie das Institut nun andeutete.