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Deutsche Bank blickt nach Absage der Fusion nach vorne

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Das Logo der Deutschen Bank an einer Filiale des Geldinstituts in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler

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Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Bank rechnet nach einem Einbruch der Erträge im ersten Quartal für das Gesamtjahr mit keinen Zuwächsen mehr.

"Wir erwarten, dass unsere Erträge im Jahr 2019 im Wesentlichen unverändert zum Vorjahr bleiben werden", teilte der Dax-Konzern einen Tag nach dem Scheitern der Fusionsgespräche mit der Commerzbank am Freitag in Frankfurt mit.

Anfang Februar hatte Bankchef Christian Sewing noch eine leichte Steigerung angepeilt. Doch ein Einbruch im Wertpapierhandel zog die Erträge zum Jahresstart insgesamt um neun Prozent auf 6,4 Milliarden Euro nach unten. Hoffnung macht dem Vorstand hingegen der Zustrom an frischen Kundengeldern.

Insgesamt sammelte das größte deutsche Kreditinstitut im ersten Quartal im Geschäft mit reichen Kunden und bei den Investmentfonds netto rund 10 Milliarden Euro an frischem Geld ein. Unterm Strich verdiente die Deutsche Bank im ersten Quartal 201 Millionen Euro nach 120 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Eckdaten hatte das Geldhaus bereits am Donnerstag verkündet.

Nach der Absage an eine Fusion mit der Commerzbank will sich die Deutsche Bank wieder aufs Tagesgeschäft konzentrieren.

Einig waren sich die Vorstände von Deutscher Bank und Commerzbank, dass ein Zusammenschluss der beiden größten deutschen Privatbanken "keinen ausreichenden Mehrwert" bringen würde. Es sei gleichwohl sinnvoll gewesen, "diese Option einer innerdeutschen Konsolidierung zu prüfen", teilten die beiden Institute nach knapp sechswöchigen Gesprächen am Donnerstag mit.

Sewing sagte der "Bild"-Zeitung (Freitag), es gebe "viele Interessengruppen: unsere Kunden, unsere Mitarbeiter, unsere Aktionäre. Und wenn Sie dann - neben den harten Zahlen - auch die weichen Faktoren sehen, wie etwa unsere Kunden und unsere Mitarbeiter auf die Gespräche reagieren, dann kommen Sie zu dem Schluss, diese Transaktion nicht zu machen."

Bei künftigen Zusammenschlüssen unter Geldhäusern wolle die Deutsche Bank aber mitmischen. "Ich erwarte über die nächsten Jahre in Europa noch eine Banken-Konsolidierung", sagte Sewing "Bild". "Und dabei möchte ich nicht nur zusehen, sondern auch Akteur sein."

Commerzbank-Chef Martin Zielke nannte es gegenüber der Zeitung als seine "Pflicht als Vorstand, verschiedene strategische Optionen zu prüfen". Nun gebe es mit Blick auf die beiden Geldhäuser eine Entscheidung: "Diese Klarheit haben wir jetzt, machen einen Haken dran und blicken nach vorne."

Die Opposition wertete das Aus für die Fusionspläne als Klatsche für Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Scholz und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies, werben seit Sommer 2018 ungewöhnlich lautstark für starke deutsche Banken. Der Bund ist seit der Rettungsaktion mit Steuermilliarden in der Finanzkrise mit gut 15 Prozent größter Anteilseigner der Commerzbank.

Sewing wehrte sich unterdessen gegen den Eindruck, Scholz habe die Fusionsgespräche mit der Commerzbank hinter den Kulissen vorangetrieben. "Es gab keinen Druck aus Berlin", sagte der Vorstandschef in einem internen Video der Deutschen Bank, das der dpa vorlag. Die Politik sei "konstruktiver Begleiter" gewesen. "Ich habe keinen Druck gespürt", erklärte Sewing. "Es war immer eine Entscheidung beider Unternehmen, die ist nun gefallen."

Kritiker einer Fusion hatten von Anfang an vor allem einen gewaltigen Stellenabbau und mögliche Filialschließungen als Argumente gegen die Banken-Hochzeit ins Feld geführt. 30.000 Jobs hätte ein solcher Zusammenschluss gekostet - so die Befürchtung der Gewerkschaft Verdi.

Beide Institute haben noch große Baustellen, etwa in der IT oder bei juristischen Altlasten. Das andauernde Zinstief und steigende Regulierungskosten belasten die Banken zusätzlich.

Aufseher mahnten Deutsche Bank und Commerzbank nach dem Aus der Fusionsgespräche zu einer Fortsetzung ihres Umbaukurses. "Wir gehen davon aus, dass beide Banken ihre bereits eingeschlagenen Restrukturierungsanstrengungen, die erste positive Ergebnisse zeigen, konsequent weiterverfolgen", ließ der für Banken- und Finanzaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling mitteilen.

Die Wirtschaftsprofessorin Isabel Schnabel von der Universität Bonn erwartet nicht, dass die Deutsche Bank zum Übernahmeziel einer ausländischen Bank wird. "Ich glaube nicht, dass sich momentan eine andere Bank an die Deutsche Bank herantraut", sagte sie dem "Handelsblatt". "Niemand weiß, welche Risiken da noch aus der Vergangenheit schlummern."