bedeckt München 36°

Bahn - Stuttgart

Verbände wollen Bahnstrecken im Südwesten wiederbeleben

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Berlin/Stuttgart (dpa/lsw) - Das mehr als 4000 Kilometer lange Schienennetz in Baden-Württemberg könnte in den nächsten Jahren noch engmaschiger werden. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz Pro Schiene haben zahlreiche stillgelegte Bahnstrecken im Südwesten ausgemacht, deren Wiederinbetriebnahme lohnend sein könnte. In der am Montag in Berlin vorgestellten Liste mit bundesweit 186 Strecken sind rund 40 Vorschläge mit etwa 600 Kilometern Länge für Baden-Württemberg enthalten.

Die Strecken wurden zum Teil bereits vor Jahrzehnten stillgelegt. Bundesweit schlugen der VDV und die Allianz pro Schiene Strecken mit mehr als 3000 Kilometern Länge vor. Mit der Reaktivierung ließen sich zahlreiche Lücken im deutschen Schienennetz schließen und die steigenden Passagierzahlen besser bewältigen.

Ein Beispiel im Südwesten ist die acht Kilometer lange Verbindung zwischen Ludwigsburg und Markgröningen, auf der es seit 1975 keinen Personenverkehr und seit 2005 auch keinen Güterverkehr mehr gibt. Weitere Vorschläge sind etwa Mannheim - Schwetzingen (8 Kilometer), Heilbronn - Marbach (35 Kilometer) oder Karlsruhe - Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden bis Kehl und Straßburg (47 Kilometer).

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) reagierte positiv: Das Land Baden-Württemberg werde die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Bahnstrecken so gut wie möglich unterstützen. "Wenn der wirtschaftliche Betrieb nachgewiesen wird, sind wir gerne bereit, uns finanziell zu beteiligen, um den Schienenverkehr als umwelt- und klimafreundliche Form der Mobilität auszubauen. Fördermittel für die Reaktivierung von Bahnstrecken sind gut angelegtes Geld."

Das Land hatte 2018 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Bis Ende 2020 sollen die Strecken geprüft werden. Bis 2030 könnten nach Hermanns Angaben etwa 100 Kilometer Bahnlinien reaktiviert werden. Potenzial hätten demnach etwa die Strecken Haltingen - Kandern, Ludwigsburg - Markgröningen oder Lauffen (Neckar) - Zaberfeld.

Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, nannte Baden-Württemberg als positives Beispiel zusammen mit Niedersachsen und Hessen, weil sie auf Reaktivierungen zur Belebung des Schienenverkehrs setzten. "Einzelne Bundesländer schreiten voran und demonstrieren, dass Reaktivierungen den Schienenverkehr nach vorne bringen können."

Der Fahrgastverband Pro Bahn, der Mitglied in der Allianz pro Schiene ist, begründete den Vorstoß auch mit Umweltaspekten. "Wenn wir den Klimawandel ernst nehmen, muss deutlich mehr Verkehr auf die Schiene verlagert werden", teilte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann mit. Er verwies auf große Erfolge mit bereits wiederbelebten Strecken. "Zum Teil wurden Prognosen, die vor der Reaktivierung erstellt wurden, um das Zehnfache übertroffen."