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Bahn - Goldisthal

Kein Zugverkehr am Erfurter Hauptbahnhof: Zeit für Übung

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Goldisthal/Erfurt (dpa) - Wegen Wartungsarbeiten am Hauptbahnhof Erfurt haben Tausende Zugreisende am Samstag Umleitungen und teils deutlich längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen müssen. Die Sperrung soll noch bis 11.00 Uhr am Sonntagvormittag andauern. Betroffen sind unter anderem ICE-Strecken von Hamburg und Berlin bis nach Nürnberg und München, von Dresden nach Wiesbaden sowie IC-Züge von Köln nach Gera.

Auch Regionalzüge sollen bis zum Sonntag den Hauptbahnhof nicht passieren. Nach Angaben eines Bahn-Sprechers ist die Sperrung nötig, weil unter anderem neue Anlagen in das elektronische Stellwerksystem eingebunden werden sollen.

Die komplette Sperrung wurde am Samstag für eine großangelegte Übung im Fleckberg-Tunnel in Südthüringen genutzt. Dort haben mehr als 1500 Rettungskräfte, Statisten und Seelsorger den Ernstfall geprobt. "Wir erhoffen uns unter anderem Erkenntnisse dazu, wie tragfähig die Einsatzkonzepte sind und wie leistungsfähig der Digitalfunk ist", sagte Thüringens Innenstaatssekretär Udo Götze am Samstag in Goldisthal (Landkreis Sonneberg). Wichtig sei auch die Kommunikation - etwa zwischen Einsatzkräften und Krankenhäusern sowie mit Angehörigen.

Bei der Übung wurde ein Szenario simuliert, bei dem ein voll besetzter ICE nach einer Gefahrenbremsung mitten im Tunnel stehen bleibt und in Brand gerät. Dabei sollten rund 60 gespielte Verletzte gerettet und versorgt werden. Laut Götze sollten auch Todesopfer gemimt werden. "Alle Statisten bringen eine echte Vita mit. Hier werden sehr konkrete Situationen geübt", sagte der Innenstaatssekretär. Auch Seelsorger und neun Krankenhäuser waren beteiligt.

In einer ersten Bilanz wurden Defizite beim Digitalfunk und der Kommunikation mit Einsatzkräften der Psychosozialen Notfallversorgung deutlich. "Es gab Stellen an den Zufahrtswegen des Tunnels, wo keine 100-prozentige Funkkommunikation da war", sagte Marc Stielow, Leiter Gesamtkoordinierung Gefahrenabwehr für die Neubaustrecke.

Außerdem seien in der Simulation Angehörige teils nicht sofort von geschulten Einsatzkräften betreut worden, nachdem sie ein Familienmitglied haben sterben sehen. "Daran müssen wir arbeiten", sagte Stielow. An der Stelle der Übung habe die Kommunikation nicht einwandfrei funktioniert. Zufrieden zeigte er sich aber unter anderem mit dem Einsatzkonzept. Rettungskräfte und Brandbekämpfer seien sehr schnell an dem Zug gewesen.

Nach Angaben eines Sprechers des Innenministerium rechne man mit Kosten im sechsstelligen Bereich für die Übung. Genaue Zahlen seien nur schwer zu ermitteln. Getragen werden die Kosten vom Freistaat Thüringen, vom Bundesforschungsministerium, dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und der DB Netz AG.

Für die Übung wurde die Sperrung des Bahnknotens Erfurt genutzt, die von Samstag an bis Sonntagvormittag andauern sollte. Reisende müssen in dieser Zeit mit teils erheblich längeren Fahrtzeiten rechnen.