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Tennis

Federer mit Borg gegen McEnroe - Tennis-Stars mit Team-Spaß

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Chicago (dpa) - Roger Federer scherzte. Wenn Novak Djokovic nicht zu besiegen sei, sei es doch besser, mit ihm im gleichen Team zu spielen, flachste der Tennis-Star entspannt.

Federer und der Wimbledon- und US-Open-Sieger sind Dauerrivalen und ehrgeizige Individualsportler, für den Laver Cup treten sie in einer Mannschaft an. Auch Deutschlands bester Tennisspieler Alexander Zverev freut sich, Teil der ungewöhnlichen Konstellation zu sein. In Chicago wird der beliebte, aber ebenso umstrittene Show-Wettbewerb von Freitag bis Sonntag zum zweiten Mal ausgetragen, Federer hat ihn mit initiiert.

"Es ist eine wundervolle Möglichkeit, Tennis als Sport zu feiern", schwärmte Federer und betrieb mächtig Werbung: "Es war die Idee, die verschiedenen Tennis-Generationen zusammenzubringen. Dass jeder Spaß haben kann, voneinander lernen kann."

Mit seinem Format soll der Laver Cup, benannt nach dem früheren australischen Tennis-Superstar Rod Laver, Tennis populärer machen. Die Premiere in Prag wurde 2017 zu einem riesigen Erfolg. Bei dem Showevent duellieren sich die besten Tennisprofis Europas mit Stars aus dem Rest der Welt, ähnlich wie beim Ryder Cup im Golf. Helden der aktuellen Zeit kommen dafür gern zusammen.

Vor einem Jahr gingen Bilder um die Welt, wie Federer und Rafael Nadal Doppel spielten und zusammen feierten. Der von Knieproblemen geplagte Nadal fehlt diesmal. Federer liebäugelt jetzt mit einem Doppel mit Djokovic. Das Team Europa bilden neben Federer, Djokovic und Zverev noch Grigor Dimitrov, David Goffin und Kyle Edmund.

In das Team Welt wurden Kevin Anderson, John Isner, Jack Sock, Frances Tiafoe, Diego Schwartzman und Nick Kyrgios berufen. Als Kapitäne führen die Ikonen John McEnroe (Welt) und Björn Borg (Europa) die Teams an. Jeden Tag stehen drei Einzel und ein Doppel über zwei Gewinnsätze an, ein dritter Satz wird als Matchtiebreak bis zehn Punkte gespielt. Jeder Sieg bringt einen Punkt am ersten Tag, zwei am zweiten, drei am dritten, das soll Spannung garantieren. Es gewinnt das Team, das 13 Punkte sammelt. Jeweils rund 20 000 Fans werden die Heimstätte der Bulls (NBA) und der Blackhawks (NHL) füllen, in Chicago gibt es sonst kein Weltklasse-Tennis.

Auf die Weltrangliste hat das Event keinen Einfluss, Geld verdienen die Profis aber schon. Spieler äußern sich begeistert, auch wenn sonst teilweise über die hohe Belastung in der Saison geklagt wird.

Der Deutsche Tennis Bund ist ein Kritiker. "Wir treten dafür ein, dass wir nicht immer mehr Wettbewerbe haben", sagte DTB-Präsident Ulrich Klaus der Deutschen Presse-Agentur. "Es gibt inzwischen so viele Wettbewerbe. Ich glaube, dass wir uns keinen Gefallen tun."

Für den DTB hat der Davis Cup mehr Bedeutung. Der Nationen-Wettbewerb wurde allerdings einer Radikalreform unterzogen, die der deutsche Verband abgelehnt hatte: Im November 2019 wird es erstmals eine Finalwoche an einem neutralen Ort geben. Auch der Erfolg wird davon abhängen, ob die Stars der Szene anreisen. Von 2020 an soll zu Beginn des Jahres in Australien auch der World Team Cup stattfinden, den die Herren-Organisation ATP wiederbelebt hat. "Das geht an die Substanz. Die Spieler können das nicht alles mitmachen", befürchtet Klaus.

Der elffache Grand-Slam-Sieger Borg äußerte sich vom Laver Cup überzeugt, der Wettbewerb habe über Jahre eine Zukunft. 2019 macht das Event in Genf Station. Federer will in seinem Heimatland dabei sein, erst einmal aber in Chicago den Titel für das Team Europa verteidigen. Als US-Amerikaner McEnroe neckte, Federer und Co. seien würdige, aber schlagbare Kontrahenten, lächelte der 37-jährige Schweizer milde: "Wir sind bereit." Sein Team ist klar favorisiert.