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Fußball

"Keine Grenzen setzen": Kane gibt England den Glauben zurück

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Wolgograd (dpa) - Englands Erlöser Harry Kane genoss seine erste Vorstellung auf der Fußball-Weltbühne in Russland sichtlich.

Mit seinem Premieren-Doppelpack bei der WM bot der Kapitän der Three Lions im Fernduell mit Weltstars wie Cristiano Ronaldo und Lionel Messi eine imposante Kostprobe seines Könnens.

"Ich will mich in einem großen Turnier beweisen. Ich will mich mit den Besten der Welt messen. Der einzige Weg besteht darin, auf einer großen Bühne in einem großen Moment Leistung zu bringen", sagte Kane nach seinen ersten beiden WM-Toren (11. Minute, 90.+1) beim 2:1 (1:1) in Wolgograd gegen Tunesien.

Endlich kein verpatzter Start, endlich vorsichtige Zuversicht - all das hat England Kane zu verdanken. Als es gegen die spielerisch sehr limitierten, aber zumindest bemühten Nordafrikaner darauf ankam, war der Stürmer von Tottenham Hotspur zur Stelle. "Harry ist ein top, top Angreifer. Ich freue mich für ihn, denn hätte er nicht getroffen, dann hätte es Fragen gegeben, warum er in Turnieren nicht trifft", meinte Nationaltrainer Gareth Southgate.

Während der WM 2014 in Brasilien, als die Briten in der Vorrunde scheiterten, war Kane noch Urlauber. Zwei Jahre später bei der EM konnte auch er das blamable Aus im Achtelfinale gegen Island nicht verhindern. Der erste WM-Startsieg seit 2006 soll nun zumindest ein vorsichtiger Beginn in ein starkes Turnier werden.

"Der Erfolg ist gewaltig. Ich bin so stolz auf die Jungs, weil wir gut gespielt haben, vor allem in der ersten Hälfte", resümierte Kane. "Wir hätten früher ein paar Tore mehr erzielen müssen, wir haben aber immer weitergemacht. Bei einer WM geht's bis zur letzten Sekunde."

Ohne Zweifel. Die jungen Engländer um ihren Anführer Kane müssen vor den weiteren Gruppenspielen gegen Panama und schließlich Belgien aber vor allem an ihrer Chancenverwertung arbeiten. Unter anderen bot Jesse Lingard von Manchester United teils fast schon Slapstick-Einlagen beim Vergeben klarer Gelegenheiten. Und die Defensive darf sich keine vermeidbaren Nachlässigkeiten erlauben.

"Wir haben uns in eine gute Ausgangsposition versetzt, auf der wir aufbauen können. Vor uns liegt aber noch eine Menge Arbeit", räumte Southgate ein, der vor 20 Jahren gegen Tunesien noch sein eigenes WM-Debüt als Spieler gefeiert hatte. Hocherfreut zeigte sich der 47-Jährige zugleich darüber, dass seine Mannschaft teils sogar dominant und stets offensiv agiert hat. Selbst in den Zitterminuten zum Schluss. "Gute Teams schießen späte Tore", urteilte er.

Insbesondere, wenn sie einen Harry Kane in ihren Reihen haben. "Es ist schon toll, weil er immer da ist, wenn man ihn braucht", lobte Mittelfeldmann Lingard. "Er ist großartig und liefert auf höchstem Level immer seine Leistung."

15 Tore in 25 Länderspielen hat Kane nun erzielt. Eine bessere Quote zu Beginn hatte nur Legende Gary Lineker, der sogar 20 Mal in seinen ersten 25 Auftritten traf. Gerne hätte Kane wie Cristiano Ronaldo in seinem ersten WM-Auftritt in Russland einen Dreierpack erzielt. Dafür hat der Londoner aber noch Zeit.

"Man sollte sich keine Grenzen setzen. Ich habe mit viel Hingabe hart dafür gearbeitet, um dahin zu kommen, wo ich heute bin und jetzt genieße ich es, hier zu sein", konstatierte Kane. "Ich liebe die Herausforderung und ich will es mir selbst beweisen." Cristiano Ronaldo und Messi sind seine Messlatte.

Mit seiner Kopfballverlängerung lieferte Verteidiger Harry Maguire in der Nachspielzeit die Vorlage für Kanes Siegtor. Unter den Stars der Three Lions ist der 25 Jahre alte Maguire fast schon ein Unbekannter. Vor zwei Jahren verfolgte er Englands peinliches EM-Aus gegen Island noch als Fan. Nun scheint Maguire in der Defensive von Trainer Southgate für die Startelf gesetzt.

"Es war eine komische, aber wirklich aufregende Zeit für mich über die letzten beiden Jahre", sagte Maguire, der erst im vergangenen Oktober sein Debüt im England-Trikot gab, "aber das ist etwas, auf dass ich wirklich sehr stolz bin." Der Verteidiger ist der erste englische Profi von Leicester City, der bei einer WM aufläuft. Sein Leicester-Teamkollege Jamie Vardy kam noch nicht zum Einsatz.

"Wir haben den starken Glauben gezeigt", sagte Maguire im Anschluss an sein WM-Debüt. "Wir hätten zur Halbzeit schon durch sein müssen." Doch Maguire verlängerte einen Eckball, den Kane verwandelte und damit für grenzenlosen Jubel bei Spielern und Fans sorgte. Lob für Maguire gab es anschließend von Coach Southgate: "Ich glaube sein Potenzial ist groß." Vermutlich steht Maguire auch gegen Panama in der Startelf.