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Fußball - Sinsheim

Fünfte Niederlage in Serie: Hertha-Krise verschärft sich

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Sinsheim (dpa) - Die Situation für Hertha BSC und Pal Dardai spitzt sich weiter zu. Mit dem in der Höhe noch schmeichelhaften 0:2 (0:1) bei der TSG 1899 Hoffenheim kassierten die Berliner erstmals unter dem ungarischen Coach fünf Niederlagen in der Fußball-Bundesliga nacheinander. Damit hat der personell schwer gebeutelte Hauptstadtclub als Tabellen-Elfter bereits zehn Punkte Rückstand auf das Saisonziel eines einstelligen Rangs. "Es geht noch um viel. Die Top Ten musst du erreichen. Die Motivation ist da, ich kann meinen Spielern keinen Vorwurf machen", sagte Dardai bei Eurosport.

Nach der Partie am Sonntagmittag betonte der 43-Jährige erneut, dass er sich einer persönlichen Verantwortung stellen würde. "Ich habe es schon hundert Mal gesagt. Wenn ich die Weiterentwicklung blockiere, dann müssen sie es zu mir sagen", sagte Dardai. Vor der Anpfiff hatte er bereits erklärt, es gebe "eine gute Kommunikation mit dem Manager und dem Präsidenten und dann werden wir sehen, in welche Richtung die Reise geht."

Die hoch überlegenen Kraichgauer nehmen ihrerseits dank der Treffer von Nadiem Amiri (29.) und des eingewechselten Reiss Nelson (76.) nach einer Videobeweis-Entscheidung weiter Kurs auf den Europapokal. "Hertha hatte gar keine Mittel gegen unseren Angriffsfußball", lobte Coach Julian Nagelsmann nach seinem 50. Bundesligasieg.

Allerdings war Hertha arg dezimiert zur Auswärtspartie gereist: Nach den Ausfällen von Marko Grujic, Arne Maier, Vladimir Darida, Fabian Lustenberger, Jordan Torunarigha (alle verletzt) sowie Ondrej Duda und Vedad Ibisevic (beide gesperrt) musste Dardai kurzfristig auch Niklas Stark wegen eines Infekts aus der Startelf streichen.

Lukas Klünter rückte stattdessen in die Innenverteidigung, Dardai attestierte dem gelernten Rechtsverteidiger ein "überragendes Spiel" auf der ungewohnten Position. Mit den Offensivbemühungen konnte der Coach aber lange Zeit gar nicht zufrieden sein. Am Ende stand ein Torschussverhältnisses von 5:30 zu Buche. "Wir haben uns ganz klar vorgenommen, zu punkten", sagte Klünter und gestand: "Die letzten Spiele waren nicht gut, das geht schon auf die Psyche."

Hoffenheims Adam Szalai hatte alleine in den ersten acht Minuten drei große Möglichkeiten. Einmal rettete zudem Keeper Rune Jarstein gegen Amiri - die Hertha-Spieler wussten kaum, wo ihnen der Kopf stand. So verpuffte der Anfangsschwung der TSG, die wie so oft in dieser Saison bei der Chancenverwertung schluderte. Pech hatte dann das Nagelsmann-Team, dass Schiedsrichter Martin Petersen ein Szalai-Tor nicht anerkannte. Dabei stand der Stürmer nicht im Abseits. Bei den Berlinern war Kapitän Salomon Kalou der einzige, der ab und zu Richtung Hoffenheim Tor etwas bewegte.

Mit Hilfe des Innenpfostens erzielte dann U21-Europameister Amiri das hochverdiente 1:0. Erst danach besann sich Hertha darauf, dass es auch mal in die andere Richtung gehen könnte. Bei einem platzierten Freistoß von Marvin Plattenhardt, der erstmals seit mehr als zwei Monaten wieder zum Einsatz kam, wehrte TSG-Torhüter Oliver Baumann den Ball aber ab.

Nach nur elf Punkten in der Rückrunde und angesichts der Personalmisere war das Selbstvertrauen der Berliner sichtlich angeknackst. Dennoch gestalteten die Gäste den zweiten Durchgang etwas ausgeglichener, nachdem sie sich weiter sortiert hatten. Joker Nelson machte dann alles klar, als Referee Petersen nach einem Videobeweis das Tor des Engländers zum 2:0 doch gab.

Gegen den Tabellenletzten Hannover 96 braucht Hertha nun am Ostersonntag dringend ein Erfolgserlebnis - und auch Dardai. Bereits in der Vergangenheit hatte der Coach gesagt, dass es nach sechs Niederlagen in Serie für jeden Trainer eng wird. "Ich finde, er macht es gut, bewahrt die Ruhe", sagte der glücklose Stürmer Davie Selke. "Ich spüre nix von einer Krise, finde nicht, dass wir verunsichert sind."