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Fußball - Berlin

Hannovers Hoffnungen schwinden: Hertha-Fans feiern Dardai

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Berlin (dpa) - Die Fans von Hertha BSC und Hannover 96 bewiesen echte Leidensfähigkeit. Nach der lange Zeit tristen und qualitätsarmen Nullnummer der formschwächsten Teams der Fußball-Bundesliga schwappten nicht etwa überwiegend Unmutsbekundungen aus den Kurven des Berliner Olympiastadions.

Die Anhänger des Hauptstadtclubs feierten stattdessen Pal Dardai auf dessen Abschiedstour als Hertha-Coach mit Sprechchören und dem großen Spruchband: "Dardai - einer von uns!" Und vor dem Auswärtsblock erhielten die niedergeschlagenen Niedersachsen trotz immer geringerer Hoffnung auf das große Nicht-Abstiegswunder kollektive Aufmunterung. "Das ist nicht normal", staunte auch 96-Coach Thomas Doll. "Es ist ein toller Umgang - obwohl wir ihnen gar nichts zurückgegeben haben die letzten Wochen."

Der erste Punktgewinn und das Ende der "Horrorserie" (Doll) nach zuvor acht Pleiten in Serie fühlte sich dann allerdings wie eine Niederlage an - obwohl die Einstellung des vereinseigenen Negativrekords verhindert wurde. Bei nur noch vier verbleibenden Spieltagen wirken sechs Punkte Rückstand auf den VfB Stuttgart und den Relegationsplatz wie ein unüberwindbarer Graben. "Wenn wir dran glauben, werden wir es auf jeden Fall schaffen", beteuerte U21-Europameister Waldemar Anton jedoch mehrfach. "Ihr werdet nicht von mir hören, dass wir aufgegeben haben."

Langsam macht sich aber trotzdem Fatalismus breit. Zum wiederholten Mal konnte das verunsicherte Team die Patzer der versammelten Konkurrenz aus Stuttgart, Nürnberg oder Gelsenkirchen nicht nutzen. "Wir haben die ganzen Wochen schon gesehen, dass die anderen Mannschaften da unten auch verlieren, das war nichts Neues jetzt", sagte Doll und fällte ein hartes, aber korrektes Urteil: "Das Durchsetzungsvermögen reicht nicht, um Bundesligaspiele zu gewinnen." Über seine persönliche Zukunft in Hannover über das Saisonende hinaus mache er sich keine Gedanken.

Die Zeit von seinem Kollegen Dardai im Profiteam von Hertha läuft hingegen definitiv ab. Nach dem Ende der Serie von fünf Niederlagen nacheinander und seinem fünftletzten Pflichtspiel als Chefcoach zollten ihm die Fans in der Ostkurve ihren Respekt und sorgten für eine ambivalente emotionale Lage beim Ungarn. "Für mich ist das kein besonderes Gefühl, weil ich ein Herthaner seit gefühlten 100 Jahren bin", sagte der Rekordspieler des Clubs, betonte jedoch auch: "Es ist ein gutes Gefühl, aber das muss man erarbeiten, das bekommst du nicht geschenkt."

Bei der Suche nach einem Nachfolger will sich Geschäftsführer Michael Preetz Zeit lassen. Einen Medienbericht, dass der Schweizer Gerardo Seoane von BSC Young Boys aus Bern Top-Kandidat sei, kommentierte der Manager beim Pay-TV-Sender Sky nicht und erklärte, es sei "völlig offen", wer zur kommenden Saison Chefcoach werde. "Ich führe Gespräche in diesen Tagen, ich will mir ein Bild verschaffen", sagte Preetz. "Wir haben Zeit bis zum Saisonende, das sind einige Wochen. Ich werde mir die Zeit nehmen, um eine Entscheidung zu treffen."