bedeckt München 21°

Fußball - Berlin

Dardai erleichtert auf Abschiedstour

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Berlin (dpa) - Seinen Humor hat Pal Dardai nicht verloren. Bei der ersten Pressekonferenz nach seinem angekündigten Aus als Hertha-Chefcoach zum Saisonende präsentierte sich der 43-Jährige gelöst statt gefrustet. "Sie sollen mir eine schöne Uhr kaufen", antwortete er augenzwinkernd auf die Frage, welchen speziellen Wunsch er an sein Team zum Abschluss noch habe.

Verbitterung? Enttäuschung? Nein, derartige Gefühle offenbarte der Noch-Profitrainer des Berliner Fußball-Bundesligisten vor der Partie gegen den Tabellenletzten Hannover 96 am Ostersonntag (18.00 Uhr/Sky) nicht. Stattdessen gestand der Ungar eine gewisse Müdigkeit nach knapp viereinhalb Jahren in vorderster Reihe bei seinem Herzensverein ein. "Ich spüre, dass ich ein bisschen erleichtert bin. Ich glaube, da braucht man ab und zu eine Pause", sagte Dardai. "Für mich geht das Leben weiter. Ich bin ein komischer Mensch, ich komme damit klar."

Nach fünf Niederlagen in Serie hatten die Berliner diese Woche entschieden, dass Dardai nach dieser Spielzeit nicht länger als Coach der Bundesliga-Mannschaft tätig sein wird. Von 2020 an soll er wieder in den Nachwuchsbereich wechseln.

Er sei nicht wütend, betonte Dardai beim ersten gemeinsamen Auftritt mit Geschäftsführer Michael Preetz seit der Mitteilung über die Entscheidung am Dienstag. "Von mir kommt nicht ein negatives Wort über Hertha BSC, nicht mal über den Manager", sagte Dardai mit Blick auf Preetz, der wie gewohnt links neben ihm auf den Podium saß.

Er werde nun "erstmal eine Pause machen" und anschließend bei "großen Vereinen" hospitieren, kündigte der Rekordspieler des Clubs an. "Nach diesem Jahr komme ich normalerweise zurück und Micha gibt mir eine Aufgabe." Gemeinsam mit Dardai solle besprochen werden, welche U-Mannschaft der Coach übernehmen werde, sagte Preetz.

Der Manager ist nun bei der Suche nach einem Nachfolger von Dardai gefordert. Dieser solle bei Hertha BSC keine grundsätzlich andere Philosophie verankern, sagte Preetz bei der Frage nach dem Anforderungsprofil. "Wir haben Zeit, uns damit in den nächsten Wochen intensiv zu befassen", erläuterte er über den begonnenen Auswahlprozess. "Es ist selbstverständlich so, dass wir jemanden suchen, der die DNA des Vereins versteht und das behütet, für was wir stehen." Dabei gehe es unter anderem um die Weiterentwicklung von Talenten. Als möglicher Kandidat zur kommenden Saison wird unter anderem der frühere Huddersfield-Coach David Wagner gehandelt.

Zunächst soll aber Dardai ein gebührender Abschied ermöglicht werden. Dafür forderte Preetz diese Woche in einer Ansprache an die Profis eine deutliche Leistungssteigerung im Vergleich zu den jüngsten Partien während der Negativserie. "Natürlich habe ich den Jungs gesagt, dass es nicht zuletzt auch ihre Verantwortung ist, dass wir uns in den letzten fünf Spielen deutlich anders präsentieren als in den vorigen fünf Spielen", betonte der Manager. "Sie müssen sich gewaltig steigern zu den Auftritten der letzten Wochen."