Verwaltung - Potsdam

Krankenstand in Brandenburger Landesverwaltung steigt

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Potsdam (dpa/bb) - Der Krankenstand in der Brandenburger Landesverwaltung ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen, obwohl es seit mehreren Jahren ein Konzept für bessere Arbeitsbedingungen gibt. Mit rechnerisch 32,9 Krankentagen je Mitarbeiter gab es im Vorjahr im Wissenschaftsministerium die meisten Ausfälle. Das waren fast sieben Tage mehr als 2017 und neun mehr als 2014 zu Beginn der Wahlperiode, wie das Innenministerium der CDU-Landtagsfraktion auf eine Anfrage mitteilte.

Im Finanzministerium stieg die Zahl der Krankentage von 20,4 im Jahr 2017 auf 28,8 im vergangenen Jahr, in der Staatskanzlei von 21,4 auf 29,4. Mit Ausnahme des Landwirtschaftsministeriums haben die Fehltage in allen anderen Ressorts im Vergleich zum Jahr 2014 zugenommen. Das Justiz- und das Verkehrsministerium gaben für das vergangene Jahr keine Werte an.

Als Gründe für die Fehltage werden zum Beispiel im Wissenschaftsministerium steigende Langzeiterkrankungen und die Arbeitsverdichtung genannt. Das Arbeitsressort sieht ebenfalls eine gestiegene Arbeitsverdichtung, die eine alternde Belegschaft nicht mehr verkrafte - trotz der Einführung eines Gesundheitsmanagements.

Den stärksten Anstieg bei Krankentagen gab es von 2014 bis 2018 im Sozialministerium. Hier erhöhten sie sich im Schnitt von 18,1 auf 32,1. Im Agrarministerium gingen die Fehlzeiten in dem Zeitraum um drei Tage auf rechnerisch 23,5 Tage zurück.

Die Angaben über die Arbeitsausfälle bei den einzelnen Behörden und Landeseinrichtungen schwankten zum Teil erheblich. Weit an der Spitze lag die Verwaltung des Nationalparks Unteres Odertal mit 67,5 Tagen im Vorjahr. Ausschlaggebend hierfür war die Langzeitkrankmeldung eines einzelnen Mitarbeiters, wie ein Sprecher des Agrarministeriums erläuterte. Starke Ausfälle gab es auch bei der Landeshauptkasse mit 50,2 Krankheitstagen.

Die Krankmeldungen bei der Landesverwaltung lagen im Vorjahr deutlich über den Fehltagen, die die gesetzlichen Krankenkassen bei ihren Mitgliedern verzeichneten. Bei der Barmer waren es 22,1 Tage, bei der AOK 23 Tage und bei der Techniker Krankenkasse 19,6 Tage.

Bereits 2004 hatte die Landesregierung eine Handlungsempfehlung "Gesundheitsmanagement für die Landesverwaltung Brandenburg" auf den Weg gebracht. 2017 beauftragte der Landtag die Koalition aus SPD und Linkspartei, ein Konzept zu erarbeiten, um den öffentlichen Dienst attraktiver zu gestalten. Damit sollten auch die Arbeitsbedingungen verbessert und der Gesundheitsschutz erhöht werden. In der Antwort an die CDU verweist das Innenministerium auf zahlreiche Initiativen, die seither in den verschiedenen Landeseinrichtungen umgesetzt wurden.

Ziel sei es nun, ein betriebliches Gesundheitsmanagement mit einheitlichen Eckwerten zu erarbeitet. Dazu werde eine zentrale Servicestelle eingerichtet, die das Gesundheitsmanagement koordiniert, erklärte das Innenministerium. Die Servicestelle werde Empfehlungen zur gesundheitsfördernden Gestaltung von Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld geben und die Dienststellen bei der Umsetzung der Prozesse unterstützen.

Der hohe Krankenstand in der Landesverwaltung deutet nach Ansicht des CDU-Finanzpolitikers Steeven Bretz darauf, dass die Landesregierung "was den Umgang mit den Mitarbeitern betrifft, ein nicht mehr zeitgemäßes Führungsverständnis hat". Unter den Mitarbeitern bestehe eine "erhebliche Unzufriedenheit über Arbeitsklima, Arbeitsvoraussetzungen und Arbeitsumstände".