Internet - Berlin

Rocket Internet will Geld auch in Immobilien stecken

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Berlin (dpa) - Auf der Suche nach vielversprechenden Investments erkundet die Berliner Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet neue Geschäftsfelder. Die Start-up-Fabrik macht inzwischen unter anderem auch Immobiliengeschäfte und will künftig technologische Versicherungs- und Gesundheitsdienstleistungen anbieten. Das sieht eine Satzungsänderung vor, die die Hauptversammlung am Donnerstag beschloss. Bei dem Aktionärstreffen wurde auch die Sorge laut, dass die Firma den Mietenanstieg in Berlin befeuern und dadurch das Ansehen des Unternehmens Schaden nehmen könnte.

In der Vergangenheit waren aus Rocket Internet Unternehmen wie Zalando, Hello Fresh und Home24 hervorgegangen. "Wir haben ein paar Blockbuster gehabt", sagte Vorstandschef Oliver Samwer. "Im Moment ist die Pipeline in der Mitte ein bisschen leer." Man habe mehr Kapital als Ideen.

Als Geldgeber für Gründer sieht sich das MDax-Unternehmen wachsender Konkurrenz ausgesetzt. Es sei schwieriger geworden, Gründer und Ideen zu finden, um mit ihnen Unternehmen aufzubauen, sagte Samwer. Rocket könne 3,1 Milliarden Euro investieren - Wagniskapital bekämen die Gründer aber auch anderswo.

Dennoch sei Rocket Internet erfolgreich. Das zeige sich an höheren Umsätzen und geringeren Verlusten der Beteiligungen sowie an zahlreichen kleineren Neugründungen. "Es funktioniert", sagte Samwer. "Aber es funktioniert nicht wie am Fließband."

Aktionärsvertreter verlangten, dass Rocket eine Dividende ausschüttet - was Samwer ablehnte. Für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz würdigte Christian Röhl die zahlreichen Börsengänge von Rocket-Beteiligungen. "Sie haben es allen gezeigt", lobte er Samwer. Rocket Internet sei eine Maschine für Börsengänge geworden. Röhl kritisierte allerdings, dass keine Frau in Vorstand und Aufsichtsrat sitzt.

Die Bewohnerin eines Kreuzberger Mietshauses äußerte die Befürchtung, durch steigende Mieten aus ihrer Wohnung verdrängt zu werden. Das Haus Urbanstraße 67 war von der Rocket-Tochter GRC1-Germany gekauft worden. "Sorgen sie dafür, dass dieser Turm nicht zu einem weiteren Symbol wird für den Mietenwahnsinn in Berlin", forderte der Verband Kritische Aktionäre im Rocket-Hochhaus.

Samwer sagte, man werde sich an geltendes Recht halten. Man stehe am Anfang seiner Immobilienstrategie und wisse, dass das derzeit ein sensibles Thema sei. "Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst", versicherte Samwer.