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Stichwahl ums Präsidentenamt in der Ukraine

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Amtsinhaber Petro Poroschenko (M) spricht in einem Wahllokal, seine Frau Maryna (r) steht neben ihm. Foto: Efrem Lukatsky/AP

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Kiew (dpa) - In der krisengebeutelten Ukraine wählen die Menschen an diesem Sonntag ihren neuen Präsidenten. Rund 30 Millionen Ukrainer sind aufgerufen, sich in einer Stichwahl ab 7.00 Uhr MESZ zwischen Amtsinhaber Petro Poroschenko und dem Polit-Neuling Wolodymyr Selenskyj zu entscheiden.

Erste Prognosen auf Basis von Nachwahlbefragungen werden in der nach Westen strebenden Ex-Sowjetrepublik unmittelbar nach Schließung der Wahllokale ab 19.00 Uhr MESZ erwartet.

Beide Kandidaten konnten sich im ersten Durchgang vor drei Wochen gegen Dutzende weitere Bewerber durchsetzen. Der Wahlkampf zur Stichwahl war daraufhin in eine politische Schlammschlacht ausgeartet, in der beide Kandidaten sich mit gegenseitigen Vorwürfen überhäuften. In Umfragen führt der Komiker und Schauspieler Selenskyj mit rund 70 Prozent der Stimmen vor Poroschenko. Der Oligarch könnte nach fünf Jahren an der Macht eine immense Niederlage erleiden.

Vor allem der blutige Konflikt im Osten der Ukraine war eines der wichtigsten Themen im hitzigen Wahlkampf. Poroschenko war vor fünf Jahren mit dem Versprechen ins Amt gewählt worden, den Konflikt schnell zu beenden. Nach UN-Angaben sind bei Kämpfen zwischen Regierungssoldaten und prorussischen Separatisten mehr als 13 000 Menschen getötet worden. Die Gefechte halten an. Die Umsetzung des 2015 unter anderem durch deutsche und französische Vermittlung vereinbarten Minsker Friedensplans liegt auf Eis. In den Separatistengebieten Donezk und Luhansk im Osten wird nicht gewählt.

Sowohl in der Europäischen Union als auch im benachbarten Russland wird deshalb die Abstimmung mit großem Interesse verfolgt. Das nach IWF-Statistiken ärmste Land Europas steuert einen Kurs Richtung EU und Nato an. Präsident Poroschenko besuchte vor wenigen Tagen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den französischen Staatschef Emmanuel Macron. Auch Selenskyj reiste nach Paris.

Der Herausforderer tritt auch mit dem Versprechen an, stärker gegen Vetternwirtschaft in der Machtelite vorzugehen. Der 41-Jährige wurde mit seiner TV-Serie "Diener des Volkes" beliebt, in der er bereits das Staatsoberhaupt spielt. Kritiker werfen dem Politneuling Populismus und einen Mangel an Erfahrung vor.